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Der junge Jude · 1930-10-01 · Heft 5 (Oktober 1930) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der junge Jude
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 5 (Oktober 1930)
Date
1930-10-01
Page
– (sequence 14)
Language
German
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weiten jüdischen Voiksimassen. Das Finanzielle ist van dem Erzieherischen nicht zu trennen. Es ist traurig, daß wir noch, 33 Jahre nach Basel, das amerikanische Beispiel brauchen, um uns daran zu erinnern. Die Vereinigung der Finanzalktion und die damit verbundene Aufgabe der ohnehin ischlechten 'zionistischen Erziehungsarbeit der amerikanischen Organisation ist keine notwendige Folgerung der Erweiterung der Agency. Unsere zu leicht gegebene Zustimmung Unat dies erst möglich gemacht. Diese Zustimmung ist ein Symptom. Ihre Bedeutung geht weit über die konkrete Frage der Geldafction in Amerika hinaus. Sie zeigt, mit welch gefährlichien Stimmungen und Voraussetzungen große Teile der zionistischen Bewegung zur Erweiterung der Agency gekommen sind. Aus Verantwortungsgefühl für den Aufbau, aus zionistischer Ungeduld, aber auch aus innerer Unsicherheit und einem Mangel an Bereitschaft tzu einer zähen und langwierigen Erziehungsarbeit sind wir zu der stillschweigenden Annahme gekommen, daß es uns auch ohne anstrengende erzieherische, kulturelle und soziale Arbeit in den breiten Schichten der Diaspora gelingen wird, das Tempo des Aufbaues zu beschleunigen. Die jüdische Philantropie sollte das Wunder schaffen. Eigentlich enthält diese Einstellung nichts Neues. Sie ist vielmehr etwas Schidkisalhaftes im Zionismus geworden. Vor 35 Jahren bereits ging Theodor Herzl mit großen Erwartungen zu Baron Hirsch. Die Enttäuschung brachte ihn nach Basel. Möge auch unsere Enttäuschung &o fruchtbar werden! Unser Kamptf gegen diese gefährliche Einstellung der Zionisten gegenüber der Agency wollen wir nicht in einen Kampf gegen die Erweiterung der Agency verwandeln. Der Wille, 'unserem Werk neue Kräfte hinzuzufügen, die noch außerhalb des Kahmens der zionistischen Organisation stehen, ist historisch notwendig geworden. Zwar sind diese neuen Kräfte in viel größerem Maße als bis jetzt nicht nur in der jüdischen Hochfinanz in Amerika zu suchen. Die Gewinnung von neuen Volksschichten wird auch manchen aus der Oberschicht zu einer anderen Beziehung zum Zionismus zwingen. Auch jetzt wäre es ungerecht, zu vergessen, daß die Agency uns neue und gute Freunde aus der jüdischen Arbeiteirsöhaft Amerikas und aus anderen Ländern näher gebracht und zur Tat verpflichtet hat. Wären wir aber auch zu dem Endergebnis igeikommen, dieser Versuch der Erweiterung sei endgültig mißglückt, so ist es nicht jetzt die Zeit, irgendwelche Änderungen nach außen hin vorzunehmen. Die inneren zionistischen Schlußfolgerungen müssen aber so weit wie möglich klar sein: Nicht die „Rationalisierung" der Sammeltätigkeit <und nicht die so teuer erkaufte Freundschaft von jüdischen Philantropen ist flür 'die Beschleunigung des Aufbaues entscheidend. Durch den Willen von jüdischen Massen wird Palästina gebaut. Wenn wir in Amerika die entscheidenden Quellen für den Auf/bau sehen, so ist es heute die wichtigste Aufgabe der Zionistischen Bewegung, in breitesten Volksschichten des amerikanischen Judentums durch kulturelle, erzieherische und gemeinsehaftßbildemde Tat den zionistischen Willen zu wecken und zu stärken. Nicht die Aufgabe der ohnehin unzulänglichen selbständigen zionistischen Tätigkeit, sondern umgekehrt, das Durchdringen 156

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