Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 5 (Oktober 1930)
- Date
- 1930-10-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Es werden verschiedene Erklärungen für diese Niederlage gegeben. Man will den Mißerfolg soweit wie möglich nicht der Leitung und nicht dem Charakter der Arbeit in Amerika zuschreiben. Die verschlechterte wirtschaftliche Lage, der Emergeney Fund, der späte Beginn der Aktion hätten daran Schuld. Diese Tatsachen, wie auch andere äußere oder zufällige Zustände, die man noch zur Erklärung der Lage hinzuziehen kann, sind zweifellos richtig, sie vermögen aber für sich allein den rapiden Kückgang der Einnahmen nicht zu rechtfertigen. Auch das europäische Judentum stand in diesem Jahr im Zeichen einer schweren wirtschaftlichen Depression und trotzdem hat es dem Keren Hajessod die üblichen Summen zugeführt; abgesehen davon, daß auch hier große Beträge an den Emergeney Fund geflossen sind. Dasselbe gilt auch von den nichteuropäischen Ländern. Es ist wichtig, in diesem Zusammenhang zu erwähnen, daß gerade Länder, die die schwerste wirtschaftliche Not erleben (Polen), ihre Beiträge an den Keren Hajessod gegenüber dem Vorjahre sogar zu steigern vermochten. Der K. K. L. hat in derselben Zeit seine gesamten Einnahmen gegenüber dem Vorjahre um 25 Prozent erhöht (Jüd. Kundschau Nr. 67). Also nicht nur die wirtschaftliche Lage in Amerika hat an dem verblüffenden Mißerfolg schuld. Die wohlhabenden bürgerlichen Kreise in Amerika, die unsere neuen Partner in der Agency zu vertreten glauben, haben jedenfalls unter der Wirtschaftskrise weniger als das verarmte europäische Judentum gelitten. Die Ursachen liegen tiefer. Die Verschmelzung der Keren Hajessod-Aktion innerhalb des Drive des „Joint" und die damit verbundene Verwischung ihres erzieherischen zionistischen, palästinensischem Charakters hat einen großen Anteil an dem Mißerfolg. Die amerikanische, wie auch jede andere jüdische Bevölkerung hat weniger für ihre Volksgenossen in anderen Ländern übrig, wenn es ihr selbst schlecht geht. Aber dennoch steht der Aufbau Palästinas in ihrem Bewußtsein auf einer ganz anderen Stufe als die Hilfeleistungen für die Diaspora. Ihr nationales Pflichtgefühl läßt die Leistung für Palästina nicht unter ein gewisses Minimum sinken, trotz aller wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Hier äußert sich eines der ersten Zeichen eines jüdischnationalen Gemeinschaftsgefühles in der Diaspora. Die Geschichte des Keren Hajessod und des Keren Kajemeth in den letzten zehn Jahren lehrt uns manches darüber. Für die neuen Menschen der Agency war die Verschmelzung' der Keren Hajessod mit der Joint-Aktion eine logische Folgerung ihrer jüdischen und sozialen Konzeption: Palästina ist ein Teil ihrer philantropischen Tätigkeit, wozu also einen konkurrierenden Apparat für diesen Teil der Philantropie? Ist es denn nicht rationeller, die beiden Apparate zu vereinheitlichen? Für uns Ziordsten war die Tätigikeit für die nationalen Fonds immer weit mehr als nur eine Geldsammlung. Es war zugleich auch ein national erzieherisches Beginnen. Es ist kein Zufall, daß die größte erzieherische Leistung des Zionismus — die jüdische Jugendbewegung — aufs engste mit dem K. K. L. verbunden ist. Bas Wachsen unseres nationalen Kapitals ist letzten Endes keine Frage eines Apparates, sondern nur eine der vielen Folgerungen der Tiefe und der Ergriffenheit des zionistischen Erlebens in 155