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Der junge Jude · 1930-10-01 · Heft 5 (Oktober 1930) · page 12

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Journal
Der junge Jude
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 5 (Oktober 1930)
Date
1930-10-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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nicht voll erfüllt. Es wäre auch verfehlt, die große politische Hilfe, die wir gerade in den schweren Tagen der Augustereignisse 'durch das neue Bündnis erfahren haben, zu unterschätzen. Die Erfahrungen auf sozialem Gebiet sind, viel trauriger. Die neuen Kreise hatten vorläufig keine Gelegenheit gehabt, ein neues Werk mitaufzubauen, aber sie haben schon die Gelegenheit gefunden, ihre Feindschaft gegen die Grundsätze der Arbeiteransiedlung zum Ausdruck zu bringen. Die Kreditgeselfachaft zur Ansiedlung der „tausend" Arbeiter (um die Kolonien), die unter der Ägide der erweiterten Agency steht und die im Geist der neuen „Efficiency" arbeiten sollte, hat zwar mit der Arbeit noch nicht begonnen (man sagt, es fehlt noch am Geld), aber sie hatte schoai Zeit, uns Mar zu machen, daß Kwuzoth unerwünscht isind, daß kollektive Verträge mit den Ansiedlergruppen abgelehnt werden, daß die Ansiedlung nicht nur vom objektiven Recht des Arbeiters (Vergangenheit im Lande und in der Landwirtschaft), wie bis jetzt, sondern von der Auswahl der Gesellschaft (abhängig gemacht wird. Eis wird also „rationalisiert". Nicht minder sonderbar sieht die „Ratiooialisierung" im Bereiche der Administration und Verwaltung auis. Die erwarteten großen Einnahmen aus begüterten amerikanischen Kreisen sind zwar im Großen und Ganzen ausgeblieben, aber dafür habeoi uns ganze zionistische Volksschichten in Form des „Emergency Fund" unerwartet mehr als eine halbe Million Pfund zur Verfügung gestellt. Den neuen Menschen der Agency wurde die Verwaltung dieser Gelder übergeben. Hier sollte bewiesen werden, wie sehr sich eine rationelle Verwaltung von unserer „zionistischen Schlamperei" unterscheidet. Das Exempel wurde statuiert. Wir bekamen eine teure Administration, was nicht nur finanziell, sondern auch moralisch bedenklich wirkt. Die Leistungen standen aber in keinem Verhältnis zu den Verwaltungskosten. Die bureaukratische Schwerfälligkeit und Fremdheit dieser Verwaltung hat in allen Kreisen des Landes Besorgnis hervorgerufen. Es war sowohl aus wirtschaftlichen als auch aus (politischen Gesichtspunkten notwendig, die Gelder so schnell wie möglich in ein großzügiges Aufbauwerk umzusetzen. Wenn bis heute, ein Jahr nach den Ereignissen, durch den Emergency Fund in Palästina nichts Wesentliches abgeschlossen ist, trägt dessen Verwaltung die Schuld daran. Wir standen aber (diesen Erscheinungen geduldig — zu geduldig und zu ruhig — gegenüber. Unser Blick war der finanziellen Tätigkeit des neuen Partners in Amerika zugewandt. Wir dachten: die großen Einnahmen und Aufbaumöglichkeiten werden alles ändern und manches sühnen. Längst wissen wir schon, wie wir uns geirrt haben. In der letzten A.-C.-Sitzung hat man auch offiziell das traurige Fazit gezogen: Der gemeinsam mit dem „Joint" unternommene Drive (von dem die Jewish Agency nur 40 Prozent bekam) hat in diesem Jahr im ganzen 120.000 Pfund erzielt. Amerika, das bis jetzt immer zwei Drittel der Einnahmen des lieren Hajessod gab, bat diesmal nicht einmal ein Viertel beigesteuert. Das zionistische Budget wird in diesem Jahr der erweiterten Agency auf ein Niveau iierabgedrückt, das es in den Jahren der nicht erweiterten zionistischen Organisation nicht kannte. 154

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