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Der junge Jude · 1930-10-01 · Heft 5 (Oktober 1930) · page 11

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Journal
Der junge Jude
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 5 (Oktober 1930)
Date
1930-10-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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E. LIEBENSTEIN: EBV JAHR ERWEITERTE JEWISH AGENCY. Vielleicht ist ein Jahr eine zu kurze Zeitspanne, um das Ergebnis unserer Zusammenarbeit mit den neuen Kreisen, besonders aus der amerikanischen Finanz, festzustellen. Aber das katastrophale Ergebnis -dieses Jahres, das nicht nur wir, sondern sogar die schlimmsten Gegner der Er Weiterung nicht vorhergesehen haben, zwingt uns zum Nachdenken und zur Tat. Um dem Problem gerecht zu werden, müssen wir uns klar daran erinnern, welche Argumente uns zur Erweiterung der Agency brachten und' welche Nachteile wir bewußt in Kauf genommen habein. Wir wußten, diese neuen Kreise des amerikanischen Großbürgertums (das schien uns damals der wichtigste Teil der neuen Partneir izfu sein) werden nicht immer ivom zionistischen Standpunkte aus politisch zuverlässig sein. Menschen, für die die Ansiedlung Palästinas nicht die einzige und letzte Hoffnung des jüdischen Volkes ist, werden in schwierigen Situationen gegenüber der Mandatarmacht und der arabischen Öffentlichkeit nicht immer dieselbe Haltung wie wir Zionisten einnehmen. Wir wußten weiter: Das Eintreten dieser Kreise in die Leitung des Palästinawerkeis bedeutet eine uinfnicthtbare Verschärfung der Klassengegensätze im Zionismus. Wir erwarteten einen Angriff auf die Kwuzah, den Kampf gegen das Selbstbestimmungsrecht der Siedler, Versuche der TJnterwühlung der wirtschaftlichen Institutionen der Arbeiterschaft. Wir haben uns auch über den wahren Inhalt der „Efficiency" wenig getäuscht — wir ahnten, daß sie in der Praxis eine sehr teure, palästinafremde, schwer bewegliche Administration bedeutet. Aber wir dachten, daß die Kämpfe gegen diese Auswüchse der Erweiterung in der Atmosphäre eines raschen Aufbaues, eines wirtschaftlichen Aufschwunges, einer großen Arbeitereinwanderung vollzogen werden. Das würde eine objektive Verstärkung der Arbeiterschaft im Lande bedeuten. Wir waren bereit, die formelle politische Demokratie der zionistischen Organisation einzuschränken, weil wir an die Steigerung der tatsächlichen Macht der sozialen Demokratie im Lande glaubten. Sowohl als Zionisten, wie auch als Sozialisten war uns der Weg der erweiterten Agency nicbt besonders angenehm. Wir dachten aber, es wäre zurzeit der kürzeste Weg zum Aufbau Palästinas. Das Tempo des Aufbaues mußte beschleunigt, die Finanzen mußten vergrößert werden. Wir glaubten, es wäre ein Fehler, die Vergrößerung der Einnahmen von der zionistischen Erziehung und Entwicklung der jüdischen Massen, besonders in Amerika, abhängig zu machen. Das Geld war sofort nötig und die zionistische Erziehung ist ein langwieriger Prozeß. Der Aufbauwille des jüdischen Volkes hat mit den Notwendigkeiten des Aufbaues nicht Schritt gehalten. Wir sahen uns um Hilfsmittel um. So kam es zur Erweiterung der Agency. Nun — das vorläufige Fazit. Unsere Befürchtungen in bezug auf die politische Zuverlässigkeit des amerikanischen Partners haben sieh glücklicherweise 153

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