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Der junge Jude · 1930-07-01 · Heft 4 (Juli 1930) · page 32

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Journal
Der junge Jude
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 4 (Juli 1930)
Date
1930-07-01
Page
– (sequence 32)
Language
German
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B U C H BESPRECHUNGEN Proletarische Jugend. (Lebensgestaltung und Gedankenwelt der großstädtischen Proletarierjugend). Von D. Günther Dehn. Furche-Verlag, Berlin. Günther Dehn ist als Pfarrer in einem der am stärksten proletarischem Bezirke Berlins, am Wedding, tätig. Er ist schon mit mehreren Arbeitern über „die religiöse Gedankenwelt der Großstadt jugend" und über idie „Großsitedtjuigend" hervorgetreten, die zum Teil in dieses vor kurzem erschienene Werk mitaufgenommen worden sind. Immer wieder geht es dem Verfasser darum, eine Vorstellung von dem Leben dieser Jugend zu geben, so realistisch wie möglich, ohne den Zwang eines psychologischen Systems oder einer politischen Tendenz. So liegt ihm auch mehr an der Darstellung als an der Deutung des Dargestellten. Dem eigentlichen Thema wird ein kurzer Abschnitt über „die Kirche im Aiibeiter quartier" voraugeschickt, der in überraschend mutiger Weise die kirchlichen Verhältnisse in der Gemeinde des Verfassers schildert und kritisiert. So offen hat in jüdischen Kreisen wohl noch kaum ein beamteter Geistlicher über eine Sache gesprochen, die ihn selbst so stark angeht. Auf Grund von Zahlenangaben wird die Austriifctsbewegung, der Rückgang der Zahl der Taufen, kirchlichen Trauungen und Beerdigungen geschildert. Von den etwa 30.000 Gemeindemitigliedern hält Dehn etwa 200 bis 250 Familien für „wirklich kirchlich11. „Dazu kommt dann vielleicht die doppelte Zahl vion Familien, däe man als kirchemiloyal ansprechen könnte." „»Die große Masse aber steht der Gemeinde völlig gleichgültig und in bewußter Ablehnung gegenüber." Die „kirchlichen Leute" aber sind „durch und durch bürgerlich, nnd zwar hier kleinbürgerlich-konservativ.'4 Wie eng die Verbindung von Kirche und politischer Rechtsgesinnung gerade in einer solchen proletarischen Gemeinde ist, erweist die folgende Bemerkung: „Ich hörte neulich einmal aus einer proletarischen Vorstadtgemeinde, daß hier die kirchlichen Vertreterlisten in einer gemeinsamen Sitzung 'der Vorstände der dortigen Gruppen der Deutschnationalen Volkspartei, des Stahlhelms und des Kriegervereins festgesetzt würden." Wie sieht nun der Gegenspieler dieser kirchlachen Leute, das Proletariat und besonders dessen Jugend aus? Dehn charakterisiert diese Jugend als „traditionslos, geschichtslos, ohne weiteren Aspekt, ohne Respekt." Das Gemeinschaftsgefühl ist nur schwach entwickelt, dagegen gibt es eine „individuelle Massenfr ont", eine Masse nnverbundener Individuen mit parallel gerichtetem Willen, dessen /letztes Motiv die Einsicht ist: Jeder muß sehen, wie er am besten wegkommt. „Wollte man sie nach dem Sinn des Lebens fragen, so könnten sie nur antworten: „Was es eigentlich /soll, das wissen wir nicht, und es interessiert uns auch nicht zu erfahren. Da wir aber nun einmal leben, so wollen wir vom Leben auch soviel haben, wie nur irgend möglich." „Dieses Volk ist wirklich 'amerikanisiert, rationalisiert bis «in die Wurzeln seines Denkens, bewußt und selbstverständlich oberfilächenhaft:... nicht etwa der Sozialismus, sondern der Amerikanismus wird das Ende aller Dinge sein." Auch die Politik steht nach Dehn längst nicht so im Vordergrund, wie man es gerade bei proletarischer Juigend erwarten sollte. „Aber auch ihre Begeisterung für den Sozialismus, die in den Jahren gleich nach der Revolution doch recht stark lebendig war, ist idahin. Man tritt nun aoich hier ganz einfach «für iseine Interessen ein und findet es im '.allgemeinen selbstverständlich, daß das in den politischen und gewerkschaftlichen Organisationen der Linken besser geschehe, als in denen der Rechten." Besonders (aufschlußreich 142

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