Mannheim
Compact Memory

Der junge Jude · 1930-07-01 · Heft 4 (Juli 1930) · page 31

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der junge Jude
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 4 (Juli 1930)
Date
1930-07-01
Page
– (sequence 31)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3497353-3497367-3497371--617-3498069
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

f» R E S S E - U M S C H A U Palästinensische Berichterstattung. In der „Jüdischen Rundschau" Nir; 47 schreibt der ständige Berichterstatter der Zeitung G. A. über „Die Zivilisierung der Kolonisation44. Seiine Eindrücke faßt .er folgendermaßen zusammen: „Main spricht heute weniger über allgemeine Dinge in dein Batriebe/n als früher. Politik, soziale Fragen spielen an vielen Stellen nicht mehr die große Rolle, die sie früher innehatten... Der allgemeine Horizont hat sich vielleicht verengert." Ist idenn wirklich so? Hat diese scharfsinnige Beobachtung schwerwiegende Anhaltspunkte in der Wirklichkeit? Sindidie angesiedelten Teile der Arbeiterschaft (durch ihre wirtschaftliche Stabilisierung politisch und gesellschaftlich passiver, gleichgültiger geworden? Uns Palästinensern erscheint die Entwicklung in einem ganz anderen Lichte. Gerade in diesem Monaten, in denen G. A, seine Beohadhtiungen 'gemacht hat, haben sich in 4er Kibuzbewegung die Elemente gestärkt, die viel Wert tauf gesellschaftliche, .kulturelle und politische Verbindungen außerhalb der eigenen Siedlungen legen: -Dieses Jahr war ein Jahr eines außergewöhnlichen Aufstieges des Kibuz Hameuchad und des Kibuz Arzi des Haschomer Hazair. Aber auch (diejenigen Teile der Arbeitersiedlungen, die bis zur letzten Zeit weniger geselisöhaftlich-ik'ultureQl'e unld gesellschaftlich-politische Energie nach innen und nach außen auszuströmen schienen, — 'die kleinen Kwuzoth und die Mo Schwei Owdim — haben sich gerade in dieser Zeit, als G. A. „die Verengerung des allgemeinen Horizonts" beobachtet hat, zu umfassen den Verbänden zusammengeschlossen, die das Bewegungsmäßige, Aktiv-Erzieherische dieser Siedlungsf ormen ausdrücken und betonen. Und war die Vereinigung der Arbeiterparteien nicht ziuletzt ein Wenk sozialistischer Aktivität tder Arbeitergruppen, die in den Kwuzoth «und Maschawim angesiedelt sind? Und das alles sollte geschehen, wenn (das Interesse „zur Politik und sozialen Fragen" geringer geworden ist---- Die gesellschaftliche und politische Zurückgezogenheit, die mit dem Älter- und Besonnenerwerden in manchen Kreisen vorkommt, gehört nicht zur Mentalität der palästinensichen Arbeiterschaft. G. A. hat seine Eindrücke vorläufig aus der Luft gegriffen. Aber vielleicht sollen wir dem Berichterstatter die „Eindrücke44 nicht lallzu übel nehmen. Unser Leben in den Kwuzoth und Moschawim ist nicht leicht durch Beobachtungen kennenzulernen. Viel leichter ist es iaber auch hier, durch Vergleiche und Parallele das auszufüllen, was an unmittelbaren Kenntnissen fehlt. Und es ist doch aus der bürgerlich-intellektuellen Mentalität so gut bekannt und in tausendfacher Erfahrung bestätigt: in der stürmischen unreifen Jugend ist man politisch aiktiv und radikal, gesellschaftlich rege und opferwillig, mit der Reife aber und mit dem „Hineinwachsen4' in die „Wirtschaft4'1 wird man sachlicher, besonnener, „objektiver44. Und warum sollte man das nicht in der Arbeiterschaft Erez Israelis zu beobachten suchen? Wir dürfen es wirklich dem Berichterstatter nicht allzu übel nehmen, wir wissen es nicht nur von Marx, wie schwer es einem Menschen fällt, aus seiner gesellschaftlichen Atmosphäre und Begriffswelt herauszukommen. R. N. Lest Jack London 141

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.