Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1930)
- Date
- 1930-07-01
- Page
- – (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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ist die Darstellung der psychodogischen Beeinflussung durch die einzelnen Berufe. Aus der GegenübersteHunig zwischen Gelernten und Ungelernten und «zwischen Arbeitersn und jungen kaufmännischen Angestellten werden hier neuartige und wichtige Erkenntnisse gewonnen, die den Gedanken der Beruf sumscMchtiung und der Chailuziiuth von einer ganz neuen Seite beleuchten. Ich glaube, daß gerade aus der Psychologie des kaufmännischen Angestellten ein Weg zur Erkenntnis <Ses j'unigen jüdischen Angestellten mit wichtigen Aufschlüssen .sich eröffnet. Die religiöse Gedankenwelt (dieser Jugend, der der zweite TeiG. des Buches gewidmet äst, wird 'Symbolhaft durch den nachfolgenden Ausspruch eines Mädchens gekennzeichnet: „Man hat in das Leben hineingeschaut. Es kommt einem so komisch vor, mitten im Berlin eine Kirche zu sehen!" — Das sehr lebendig geschriebene Buch (ist -auch für uns, sowohl vom Religiösen als auch vom Politischen her von aktueller Bedeutung. G. L. Das Erbe im Blut von Ludwig Lewisohn. (P. Szolnay Verlag). »Der Poet wählet sich immer einen moralischen Lehrsatz, den er seinen Zuschauern auf eine sinnliche Art einprägen will. Dazu ersinnt er sich eine allgemeine Fabel, daraus die Wahrheit seines Satzes erhellt. Er denkt sodann alle Umstände dazu, um die Hauptfabel recht wahrscheinlich zu machen und das werden die Zwischenfabeln oder Episodia genannt.« Aus Johann Christoph Gottsched: Versuch einer kritischen Dichtkunst vor die Deutschen. An diese alte Anweisung zur Erlernung der Dichtkunst wurde ich durch das Buch von Lewisohn er innert. Es steht also ein Problem im Mittelpunkte des Buches: das jüdische Erbgut, das einem jeden Juden im Blute steckt und sich durch keine, sogar von früher Kindheit betriebene Assimilationsversuche austreiben läßt. iDie Aufzeigung dieses Problems ist wichtig, obwohl nicht mehr sehr neu. »Tohuwabohu« von Gronemann ist vor 10 Jahren erschienen, »der kleine Prophet« von Edmond Fleg vor 5 Jahren. Und man erwartet eigentlich von jemandem, der sich öffentlich mit einem Problem befaßt, was doch bei der Herausgabe eines Buches zweifellos der Fall ist, daß die Frage in irgendeinem 'Sinne weitergeführt wird. Diese Erwartung wird aber durchaus enttäuscht. Der Inhalt ist ganz kurz folgender: Der Sohn einer aus Osteuropa stammenden, in Deutschland lebenden, halbassimilierten Familie geht nach Amerika und heiratet eine jüdische Amerikanerin, die sich bereits ihrer jüdischen Abstammung schämt. Er wird sehr reich. iSein Sohn Arthur Levy, die Hauptperson des Romans, wächst in einem durch und durch unjüdischem Milieu auf. Sein Vater ist noch durch seine Kindheit im Judentum verwurzelt. Er besitzt auch noch einen gewissen Stolz auf seine jüdische Abkunft. Seinen Kindern aber vermag er ihn nicht mehr zu übergeben, sie schämen sich ihres Judeseins vom ersten bewußten Augenblick an. Dieses dauernde Minderwertigkeitsgefühl begleitet Arthur durch die Schule, die Universität, das Krankenhaus — er wird Arzt. Er lernt eine Christin kennen, er verliebt sich und heiratet sie. Im Laufe seiner Ehe merkt er jedoch die tiefen seelischen Unterschiede zwischen einem Juden und einer Christin. Er beginnt allmählich, sich seines Judeseins nicht mehr zu schämen. Er geht in ein jüdisches Krankenhaus, trennt sich von seiner Frau und geht nach Rumänien, um das Leben der dortigen Juden zu erforschen. An dieser Stelle des Buches ist es am eklatantesten aufzuzeigen, wie der Verfasser schwierige, allgemein menschliche Konflikte schematisiert, indem er sie auf das Rassenproblem allein zurückführt. iNach der Schilderung der beiden, so verschieden veranlagten, Menschen hielten wir es für wahrscheinlich, daß die Ehe, abgesehen von der Erschwerung — Jude-Christin, nicht weitergeführt werden konnte. Der Verfasser erleichtert sich jedoch die 143