Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1930)
- Date
- 1930-07-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3497353-3497367-3497371--607-3498059- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
ERINNERUNGEN AN DAS JÜDISCHE VOLKSHEIM IN BERLIN. In der Geschichte des JJWB. ispielt das jüdische Volksheim in Berlin eine wichtige Rolle. Es ist die Zelle der Berliner Agudah des JJWB. geworden. Der Kern der Berliner Mitglieder des JJWB. sftammt ans dem Volksheim. Die meisten JJWB .er außerhalb Berlins wissen nicht viel vom Volksheim. Kaum daß sie den Zusammenhang zwischen JJWB. und Volksheim kennen. Und auch die Berliner (Mitglieder des JJWB. kennen nicht mehr viel vom Volksheim, «soweit sie nicht etwa seihst vom Volksheim herkommen. Diese aber hüten die Erinnerungen an das Voliksheim als ein schönes Vermächtnis, 'als ein Stück eigensten und schönsten Besitzes. Manchmal zeigt sich das Bedürfnis, andere an diesem Besitz teilhaben zu lassen, und dann beginnen die Erinnerungen wach zu werden. Mit einem Gefühl daß man heute „weiter"' und „klüger" ist als damals, dafür aber eine viel stärkere Verbundenheit zwischen den Menschen gewesen ist, begleitet man den Bericht. Eine Hemmung bei dem Bericht nicht Letztes und Persönlichstes preiszugeben, läßt uns innehalten. Dagegen meldet sich wieder die Furcht, etwas deshalb als so schön und bedeutungsvoll in der Erinnerung zu haben, weil wir es idealisiert, durch den Abstand der Jahre groß gesteigert haben, weil Sehnsucht nach einem besonders schönen Abschnitt des Lebens alles damalige verklärt. Wodurch unterscheidet sich; das Volksheim von den Bünden der Jugendbewegung? Das Volksheim war eine Lebensgemeinschaft zwischen Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern, während die Jugendbewegung in wesentlichen nur die Altersklasse der Jugendlichen umfaßt. Daraus ergibt sich dann unmittelbar, welche Bedeutung dem „Heim" im Volksheim und in der Jugendbewegung zukommt. Das Heim im Volksheim war mehr als der Ort für die Zusammenkünfte der Jugend, es war der Ausdruck einer Gemeinschafts¬ und Kultur willens. Deshalb mußte jemand im Heim wohnen, den Charakter der Bäume dauernd zu gestalten suchen, das Heim mit seinem eigenen Leben verbinden, um ihm etwas wie eine eigene lebendige Atmosphäre zu geben. Es reichte daher auch nicht aus, Bäume mit Tischen und Bäniken zu haben, die heute in einer frostigen Nüchternheit Jugendheime darstellen. Zum Volksheim gehörte die Wärme, die von Bildern, bunten Lampenschirmen und Tischdecken mit ausgeht. Darüber hinaus war das Volksheim eine Zeit lang ein iüdis3hes Kulturzentrum. Das bewirkte, daß es für viele auch eine geistige Heimat geworden ist. Ich habe die Zeit nicht mehr erlebt, in denen Gustav Landauer, Fritz Mordechai, Kaufmann, Martin Buber „xu" den Führern des Volksheim sprechen, als Joseph Budko kunstgewerblichen Unterricht gab. Damals haltte das Voliksheim eine sehr starke Peripherie von Menschen, die allein um dieser Veranstaltungen willen, zu dem Kreise des Volksheimes gehörten. Das Voliksheim unterschied sich weiter von der Jugendbewegung durch eine ausgesprochen soziale Note. Der Idee des Settlements entsprechend, wollte man nicht nur die Jugend des Bezirks, sondern auch deren Eltern erfassen. Man wußte, daß eine derartige Erfassung immer nur durch das Medium einer lebenswichtigen Verbindung mit der Bevölkerung möglich wäre. So entstanden Einrieh- 131