Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1930)
- Date
- 1930-07-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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zionistisch sozialistischen Parteien »anzuschließen, ließe aber seinen Angehörigen frei, einer solchen beizutreten. Es wurde auch Ernst gemacht mit dem „Anschluß an das arbeitende Erez Israel." Einige Chawerim des Bundes wiaren inzwischen nach Palästina übersiedelt. Ein lebhafter Briefwechsel zwischen ihnen und dem Bunde scheint jene Atmosphäre von Vertrautheit mit den Verhältnisisen in Erez Israel, die wohl am stärksten Einfluß auf den Entschluß zur Hachsoharah ausgeübt hat. Hinzukam, daß man in den Kreisen der Histadruth haowidim auf den Bund aufmerksam wurde. Jehuda Kopele witsch,. Mosche Sehapiro, Leo Kaufmann u. a. traten mit der Bundesleitung in persönliche Berührung und besuchten einige wichtige Gruppen. Am Ende des zweiten Jahres seines Bestehens umfaßte der Bund gegen 600 Menschen, von denen nahezu 200 sich in der Haehscharah befanden. Allerdings ist zu bemerken, daß van den 200 Ohaluzim ein nicht geringer Teil schon in der Hachscharah war, als er sich dem Bunde anschloß. In diesen beiden Jahren war von einer Hebraisierang noch wenig zu merken. Aber die Anstrengungen, die gemacht wurden, um das Hebräische zu verbreiten, waren von vornherein entschiedener, als bei irgend einer anderen Gruppe im deutschen Zionismus. Das Vorhandensein .ostjüdischer Ohaluzim in den meisten Bünden trug schließlich dazu bei, daß der Bund in dieser Hinsicht relativ günstige Erfolge aufzuweisen hatte. Trotz aller Fortschritte in der inneren Arbeit der Brith haolim, trotz auch der schnell sich mehrenden Zahl seiner Mitglieder war die Lage des Bundes sehr unsicher. Es war natürlich, daß überall die Führer als erste in die Hachscharah gingen. Ebenso war es auch klar, daß sie den Wunsch hatten, ihre berufliche Vorbereitung nicht allzusehr auszudehnen und baldigst nach Palästina zu kommen. Es war ja die Zeit der vierten Alijah, Erez Israel forderte energisch Arbeiter. In jener Zeit wäre der Bund zusammengebrochen, hätte die Bundesleitung nicht energisch auf die Durchführung des Dienstjaihres bestanden, das der Führerschaft die Verpflichtung auferlegte, sich für die Dauer mindestens eines Jahres der Leitung zur Verfügung zu stellen. Aber diese Maßnahmen waren nicht ausreichend um die mehr und mehr von Führermangel bedrohten Bünde zusammenzuhalten. Die Forderung der Chaluziuth wurde so ernst genommen, daß einerseits kaum Menschen dem Bunde beitraten, die nicht die Absicht hegten, über kurz oder lang nach Erez Israel zu gehen, daß andrerseits aber auch damit zu rechnen war, daß der Bund nach kurzer Zeit mangels Mitglieder eingehen würde. In jener Zeit stand der JJWB., ein neutraler jüdischer Bund, an seinem Wendepunkt. Er begann zionistisch! zu werden. Auch in ihm wurde die Forderung nach Sozialismus und Chaluziuth laut. Der JJWB. war zahlenmäßig etwa doppelt so groß wie die Brith haolim. Aber nachdem er seine Neutralität aufgegeben hatte, konnte er sich vor dem Zusammenbruch nur dadurch retten, daß er neue lebendige Kräfte in sich eindringen ließ. So begannen die Führer der beiden gefährdeten Bünde miteinander zu verhandeln. Unwichtig in diesem Zusammenhang ist es, daß damals der Blau-Weiß sich um den JJWB. bemühte, mit dem er — irre ich mich nicht — eine Arbeitsgemeinschaft einging. Aber das Schicksal des Blau-Weiß war schon besiegelt. Die Verhandlungen zwischen Brith haolim und JJWB. zogen sich noch eine Zeitlang hin. Ehe sie zum Abschluß kamen, ging ich nach Erez Israel. 130