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Der junge Jude · 1930-07-01 · Heft 4 (Juli 1930) · page 13

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Journal
Der junge Jude
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 4 (Juli 1930)
Date
1930-07-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
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der Wissensaineignung (keine genaue Kopie des Vereinslebens billden kanöte, ergab schon der Altersunterschied. Frei van Fesseln des Erwerbslebens, wurden diese Jugendgruppen 'vor elf Jahren stark (beeindrudkt vofri der aufwärtsstrebenden deutschen Jugendbewegung. Angetrieben von den Zeitereignissen, suchten wir zu den umstrittenstein Fragen aller Gebiete Stellung zu nehmen, sie zu verstehen und abzuschätzen oind die Leere «auiszuifüHeto, die uns immer stärker .zu Bewußtsein kam, je länger die Welt der Erwachsenen seihst die Zeitprobleme Hiebt meistern konnte. Uns selbst überlassen, suchend, wichen wir schon in der äußeren Form omd in Äußerlichkeiten von deinen ah, die selbst nur um wenige Jahre älter waren, als wir. Wir bejahten die Lebensrefarm, strebten nach körperlicher Ertüchtigung durch Wanderungen, (Sport und Spiel; Schillerkragen nmd Rauchgegtnersohaft wurden uns 'zur Abgrenzung von «unseren älteren Freunden, Konventionen, in die wir gerade erst hineinzuwachsen drohten, hielten nnserm steten Fragen nach dem Warum iund Wie nicht stand. Unser Drängen und iSuchen nach einer von uns gewählten, bewußteren Lebensgestaltung verstärkte sich. So lebten wir anders, natürlicher, unserm Empfinden omd Wollen gemäßer. Die allerwenigsten unter uns «strebten ein Mares, erkanntes Ziel .an, fast »alle waren wir unterwegs mit schwerem Gepäck ungeordneter Vorstellung von Neuem und Besserem. Wo wir Fuß fassen werden, wo uns neu verwurzeln, wir wußten es nicht, »und wir waren jung genug, um es nicht heute und morgen schon entscheiden 'zu müssen. Auf diesem Wege, glauhten wir, wird ein Sich-Treffen aller derartiger Jugendgruppen förderlich sein. Kennenlernen der Weggenossen, Austausch von Gedanken und unsrer Erfahrungen, Suchen unseres weiteren Weges, Wettspiele mit den Kameraden anderer Gaue, Singen, Frohsein in großer Gemeinsamkeit: so kamen wir vor zehn Jahren nach Freudeinberg *zum Gründungslbundestag des Jung-Jüdischen Wanderbundes, unseres Bundes. Dort trafen wir nns zum ersten Male, aus allen Landen des Reiches; die sangeskundigen Berliner und die Hessen, Bremer >und die spielliebenden Bayern, die Rheinländer von Bulbers Büchern stark Ibeeinflußt, Mitteldeutsche mit Lebensreform versuchen und Mudk-Lambertys Voltetänze übend; die Jugend des Verbandes war zusammengekommen und feierte gemeinsam. Darnach entließ uns Freudenberg mit starkem Ansporn und dem freudigen Bewußtsein der Gemeinsamkeit, mit der Erkenntnis der Gleichheit unseres Schicksals. Eifriger als vorher, ging jede Gruppe an ihre Arbeit, die gemeinsame Organisation innerhalb des Bundes erstand. Die Darmstädter Freunde (Willi Cohn, Heiner Rindskopf, Karl Stein und Martin Marx-Frankfurt) suchten unser aller Weg zu -zeichnen, die Führertagung im schönen Darmstadt galt der Zusammenfassung unserer Jugendgruppen, die Pfingsttagung des Verbandes in Rassel bewies starkes geistiges Leben, ernstes 'Suchen und Ringen. Je ernster wir uns prüften und uns Rechenschaft gaben von dem, was uns unser Jnde-Sein zu bedeuten habe, desto stärker drängte sich das Jüdische in den Vordergrund. Zu unsrer Arbeit an unsrer menschlichen Vervallkommnung gesellte sich gebieterisch die Forderung, unsere Existenz als Juden zu rechtfertigen. Kenntnis der ßiibel und ihrer Ursprache, des Hebräischen, wurde gefordert, Vertiefung in die Gebräuche, um 'zu ihren Inhalten izai dringen, brüderliche Beziehungen zu den Stammesgenossen fremder Staatsangehörigkeit erhob sich als unbedingte, 125

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