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Der junge Jude · 1930-07-01 · Heft 4 (Juli 1930) · page 12

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Journal
Der junge Jude
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 4 (Juli 1930)
Date
1930-07-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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UNSER BUND IM ERSTEN ABSCHNITT SEINER ENTWICKLUNG. (1920—1922). Von Fritz Lichtenstein. Vorbemerkung: Auf Wunsch der Bundesleitung schreibe ich die nachfolgenden Zeilen aus der Erntearbeit unserer Wirtschaft heraus, ohne jede Möglichkeif, mich auf Veröffentlichungen des Bundes oder Verbandes der damaligen Zeit zu stutzen» Ich halte es nicht für meine Aufgabe, im Rahmen dieses Aufsatzes eine eingehendere Motivierung der deutschen Jugendbewegung zu geben, obwohl ihr Bestehen und Wirken den größten Einfluß auf die Gründung und erste Entwicklung unseres Bundes hatte. Im Frühsomaner 1919 war es, als aus der Wirrnis des verlorenen Krieges und den Kämpfen der Revolution die deutsche Jugendbewegung mit Lebensreform und dem Willen zu (neuer Gemeinschaftsgestaltung breite Schichten der Jugend in ihren Bann zog. Auch die jüdische Jugend aus dem Kriege -ziurückikehrend, war ebenso aus der ruhigem Bahn ihres Lehens gerissen, sah sich plötzlich auf sich allein gestellt. Unsere Eltern, als die Generation, deren Denken und Tun den Zusammenbruch nicht verhindert hatte und ihm nicht auszuweichen vermochte, verscherzten sich schon dadurch den unbedingten Glauiben ihrer Kinder, ließen in uns den Zwreifel an der Richtigkeit dieser Weltordnung aufkommen, an der Gerechtigkeit dieser überkommenen Ordnung, deren Träger und Künder unserer Eltern Generation war. Wir fühlten unbestimmt, aber stank, daß die Überlegenheit der Erwachsenen im wesentlichen autoritär war; das Elternhaus, die Schule, die Lehrstätte wurden lzu Stätten des Zwistes. Menschlicher und freier wollten wir werden, ehrlicher in allen Dingen unseres Lebens sein, durch eigenes Denken unser Handeln bestimmen. Aus Negation der Mächte und Kräfte, die bis zum Umsturz von uns als selbstverständlich anerkannt worden waren und unsere Anschauungen bestimmten, drängten wir dazu, uns gegenseitig zu stützen, Halt an etwas Neuem, Stärkeren 'zu (finden, gemeinsam zu bauen uoid Formen zu schaffen, die der neuen Zeit mehr entsprachen. Der Verband der neutralen jüdischen Jugendvereine Deutschlands strebte damals stark empor; das Geselligikeitsbedünfkiis und der Wissensdurst der reiferen Jugend verstärkte die Tätigikeit der Ortsvereine, die politische Situation erforderte Mitarbeit der erwachsenen Jugend Ifoei Wahlen, durch Aufklärung und in Abwehr, die {jüdischen Gemeinden, Logen und Wohltätigkeitsvereine förderten diese Entwicklung und der Verband selbst erkannte die Wichtigkeit auch schon die jüngere Jugend, Schüler und Schülerinnen an sich heranzuziehen und ihnen den eigenen Weg als einen Ausweg aus der qualvoll unbestimmten Lage, in der wir jungen Juden uns in Schule und Lehrstätte den deutschen Kameraden gegenüber befanden. Die Festigung des Wissens um die geistigen Gehalte des Judentums, das Bewußtsein mit unseresgleichen Freizeit lernend und gesellig verbringen zu können, die Leere des Elternhauses und das Unsicherheitsgefühl jener Zeit waren der Boden, auf dem der Verband der jüdischen Jugendvereine damals die Jugendgruppen ins Leben rief. Sie wurden gegründet und geleitet von den geistig-regsten Vereinsmitgliedern. Die gleichen Ziele vor Augen wie der Verein, durch Vorträge, Diskussionen besonders aus dem jüdischen Wissensgebiet und in bescheidener Geselligkeit uns suchend, sollten wir, die Jugend, der Nachwuchs für die Vereine und Ortsbünde werden. Daß die Formen dieser Geselligkeit und die Art 122

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