Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1930)
- Date
- 1930-07-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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wie man sich bemühte, die Verbindung zur Sprache und zum ganzen Zibur hapoalim zu finden. So verstand auch die Kwuzah Zwi, daß sie allein, als getrennte Gruppe dieses Streben nicht verwirklichen boomte und verband sich darum mit dem Kibuz des Haschomer Hazair. Wenn diese Vereinigung nicht gelungen ist, so lag das sicher nicht an dem schlechten Willen einer der beiden Gruppen, sondern dar am, daß sowohl das K. J. V., als auch der Blau-Weiß ihren Menschen wohl eine zionistische Gesinnung gab, ihnen aber keine Atmosphäre vermittelte, die ein Zusammenleben mit ostjüdischen Menschen in irgendeiner Form ermöglicht hätte. So verließ die Kwuzah Zwi mach einem Aufenthalt von VA Jahren Beth Alpha. Nun erkannte man, daß man ofhne Vergrößerung der Kwuzah durch neue Menschen aus Deutschland einen neuen Siedlungsplatz nicht beziehen konnte. Hier entstand eine große Schwierigkeit. — Der Blau-Weiß hatte sich inzwisdhen in Prünn seine „Verfassung" gegeben. Aus dem einst zionistischen Bund mit sozialistischem Einschlag wurde ein Orden mit reaktionären Tendenzen, der sich der Diktatur einiger „königlicher" Kaufleute unterstellte. Mit ihm verband sich die Kwuzah Zwi und kettete somit ihr eigenes Schicksal an das des Blau-Weiß. Unter großen Schwierigkeiten wurde der Malariaboden von Jagur besetzt. Die Bundesleitung des Blau-Weiß war der Ansicht, daß man keine Menschen nach Jagur schicken könne, solange die Sümpfe dort nicht ausgetrocknet seien. Dieser Zustand war für die Kwuzah Zwi unerträglich. Unter Schwierigkeiten finanzieller Art, unter Malaria leidend und von der Bewegung getrennt, zerstreute sich diese Gruppe nach dreijähriger schwerer, gemeinsamer und verheißungsvoller Arbeit. Wichtig für unsere Betrachtung ist der Weg der Kwuzah Chefzibaih, die zum Teil aus deutschen, zum Teil aus tschechischen Ghaluzim besteht. Bald nach Kriegsende gründeten junge Zionisten in Deutschland eine Kwuzah „Mahapeoha", die ihre Arbeitsstätte in •einem Dorfe Schlesiens hatte. Lange hielt man sich dort nicht auf und ging schon im Jahre 1920 zur Aiijah. Bei der Arbeit auf den Kwischim vereinigte man sich mit der Gruppe „Awodah" aus der Tschechoslowakei und bezog einen Arbeitsplatz in Ohefzibah, nicht weit von der Kolonie Chederah. Zeiten von Arbeitslosigkeit, Malaria, Hunger und die Unruhen des Jahres 1921 gingen über diese Gruppe hin, bis auch für sie der Tag der Anisiedlnng gekommen war. Gemeinsam mit der Kwuzah Zwi und dem Haschomer Hazair ging man nach Beth Alpha und gründete dort die Kwuzah, die man heute unter dem Nomen Ohefzibah kennt. Im Laufe dieser 8 Jaihre hat diese Gruppe gezeigt, daß sie die Kraft besaß, eine Wirtschaft zu errichten, die eine erfolgreiche Weiterentwicklung verspricht. Aber die Tatsache, daß man nicht versuchte, isich mit einer nichtdeutschen Gruppe zu verbinden, führte dazu, daß die kulturelle Isoliertheit dieser Gruppe bis heute nicht überwunden ist. Nach lOjähriger Arbeit im Lande herrscht in Chefzibalh das Deutsche als Umgangssprache. Ich bin der Ansicht, daß gewisse politische Tendenzen eines liquidatorisohen Zionismus, die innerhalb dieser Kwuzah in den letzten Jahren wahrzunehmen waren, darauf zurückzuführen sind, daß letzten Endes ein tiefer kultureller Zusammenhang mit der ganzen Arbeiterschaft nicht vorhanden war, was auch das Gefühl einer vollen Befriedigung im Lande schwerlieh aufkommen lassen konnte. 119