Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 2 (März 1930)
- Date
- 1930-03-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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Ich erinnere mich, irgend jemand fragte mich: Du, die Du in der Gola eine politische Kämpferin warst, wieso nimmst Du im Lande nicht mehr am Leben in der Organisation teil? Ich antwortete offen: Ich arbeite doch in der Wäscherei, das ist die wichtigste Arbeit in der Organisation, das ist unsere Front. Ich denke, das Land hat uns erfaßt, — besonders uns, — die Mädchen und mit seiner großen Kraft hat es auch unsere Seele auf diese Front gerichtet. Daher fühlt man uns draußen so wenig, an der Oberfläche der Bewegung. Bs lebt in uns eine gewisse Geringschätzung gegenüber den öffentlichen äußeren Pflichten. Das ist vielleicht jetzt, da die Bewegung sich so verbreitet, und wir, die ersten immer weniger werden, unverzeihlich. * Beth-Alpha. M. — Jede von uns kennt aus eigener Erfahrung oder aus der Erfahrung ihrer Kameraden, die schwere geistige Niedergeschlagenheit, die uns Jahre hindurch bedrückt, wenn wir in der Liebe besiegt wurden. Wir haben uns daran gewöhnt, verwirrt über diese Dinge zu schweigen, denn das Gefühl der Schmach, die darin liegt, raubt uns die Freiheit. Aber die Frau, die sich in ihrer Liebe gleichberechtigt fühlt, muß darüber nachdenken: warum leidet sie nicht nur unerträglich, sondern fühlt sich auch minderwertig und vollkommen überflüssig, wenn der geliebte Mann sich von ihr wendet. Eichtig: die Frau ist innerlich gebundener in ihrer Sexualität als der Mann. Aber auch die falsche Erziehung unterjocht uns viel mehr als nötig. Auch die Lüge von der monogamen Veranlagung der Frau gegenüber der polygamen des Mannes, trägt zu unserer Versklavung bei. Denn wenn der einzige Mann, den zu lieben mir erlaubt ist, mich verstößt, so bleibe ich in der Tat arm und bedrückt, das Opfer des Gefühls einer schweren Herabsetzung. Es scheint, wir haben auf unser Kecht der freien Wahl verzichtet — wenn wir das auch nur in passiver Weise, durch Weigerung tun. Aber ich habe das Kecht, dies mir selbst zu sagen, wenn auch nach großem Leiden: trotzdem habe ich Liebe nötig — ich will nicht, daß meine ßuhe, meine eigene, die meiner Tochter, meiner Schwester oder meiner Kameradin und unsere Selbsteinsohätzung von der uns zugewandten Sexualität des Mannes abhängig sei; und ich rufe meinen Sohn, meinen Bruder und meinen Kameraden auf, mir dabei die helfende Hand zu bieten. Mit einfachen Worten: es ist keine Schande, der Liebe beraubt zu sein, es ist keine Schande, nicht mehr eine achtzehnjährige zu sein. Aber eine Schande ist es, die Arbeitskraft, die Euhe, das menschliche Ebenbild zu verlieren, weil dem Manne — und hier ist er der Feind — es wichtiger ist, was ihm heute fehlt, als was er gestern hatte. Die Erkenntnis dieser Dinge nützt uns auch in der Erziehung unserer Töchter. Helfen wir auch ihnen, den Schwerpunkt ihres Löbens vom der Liöbe aof 'das Leibern, tauf die Tat zw verlegen: von der Passivität des von der geschlechtlichen Wertschätzung abhängigen Menschen — auf das aktive Handeln. Lest Jack London 70