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Der junge Jude · 1930-03-01 · Heft 2 (März 1930) · page 23

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Journal
Der junge Jude
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 2 (März 1930)
Date
1930-03-01
Page
– (sequence 23)
Language
German
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Gesetze der Vergeltung im Leben aufzwingt, die klare Gedanken an die Stelle des blinden Instiniktes setzt. Und wir gehen, um die hebräische Sprache zu schaffen, die im Munde und im Herzen unseres ganzen Volkes leben wird. Wir gehen, um Erez Israel zu schaffen. Seht, ihr geht jetzt nach Galiläa. Wißt ihr aus der Geschichte unseres Volkes, daß Galiläa noch nicht seinen würdigen Anteil an den Geschicken des Volkes nahm? Daß die Propheten aus Judäa und Samaria waren? Daß auch damals, als das Volk auf seinem Boden saß, Galiläa das „Galiläa der Fremden" war und daß die Juden dort eine Minderheit waren und von der Mehrheit zu leiden hatten? Noch heute, wenn wir an den Seeufern von Migdal wandern, schweben vor unseren Augen über den Wasserwellen die Gestalten von Jesus und seinen Schülern — den jüdischen Fischern, die den Völkern die Kunde der Verheißung brachten. Aber dem jüdischen Volke hat Galiläa noch nicht das Seine gesagt. Es begann erst damit. Kinereth, die Heimat der Seele, dessen Namen wir manchmal nicht aussprechen können, ohne in der Tiefe des Herzens „heiliges" hinzuzudenken. Wer gab Kinereth seine Heiligkeit? Vielleicht der See und der Jordan? Vielleicht der „Alte", der dort lebt, und vielleicht jenes jüdische Mädchen, das dort zum erstenmal im Garten stand und pflanzte, säte und behackte? Galiläa schweigt, aber noch wird es uns sein Wort verkünden. Bei uns bildet sich eine neue Organisation, diejenige, die zusammen mit dem Gdud haiwri geschaffen wurde. Sie wird kämpfen für die Arbeit, für die Sprache und für das Land — für die erzieherische Arbeit, für die einzige Siprache und für das künftige Galiläa. * Einige Worte von B. K. ____Meine Beziehung zur Frauenfrage bestimmten zunächst einmal Kindheitserinnerungen, dann meine Eindrücke von dem Leben mir naher Familien, Lektüre einiger Büdner, meine Sehnsucht nach der Natur und meine Studienjahre in Petersburg. Trotz des großen Zaubers der Schülerinnen —- die meisten waren Busisinnen —, der Vorlesungen bedeutender Dozenten, der Verbindung mit der Kunst, des Gefühls der Freiheit in der großen Stadt, trotz der neuen Annäherung an die hebräische Kultur, trotz alle dieser — fühlte ich das Unwürdige, das in dem Leben von hunderten und tausenden junger Männer und Frauen liegt, die nur lernen. Man konnte nicht darüber hinwegkommen, daß doch nur einzelne von ihnen schöpferisch sind und die große Mehrzahl sich nur Kenntnisse aneignen und die meiste Zeit müßig sind. Damals habe ich verstanden, daß der Weg des Menschen die Arbeit ist und daß dieser Weg auch der meine ist, auf dem ich mich selbst finden werde... * Aus Briefen und Tagebüchern. A. S. — Wie mit allem, so verhält es sich auch mit Briefen. Wir, die Alten im Lande, schweigen. Das will nicht heißen, daß wir nichts zu sagen hätten. Vielleicht schweigen wir, weil wir zu viel zu sagen hätten. Wir glauben nicht mehr an das Wort, wir glauben nur an die Tat. Wir sind ja, wie merkwürdig ist das, Menschen der Tat, Menschen der Verwirklichung. 69

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