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Der junge Jude · 1930-03-01 · Heft 2 (März 1930) · page 22

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der junge Jude
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 2 (März 1930)
Date
1930-03-01
Page
– (sequence 22)
Language
German
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überfällt und 'dich tötet, dein Name für immer im Jiskor verewigt werden wird; den Jiskor wird man in alle Sprachen übersetzen und man wird ihn in jedem Jüdischen Hause lesen." Warum also sagt man dem Arbeiter jetzt: „wenn wir im Kriege fallen werden, wird man auf dem Berge Zion kupferne Tafeln errichten und von dort herab werden eure Namen glänzen?" Warum nimmt der jüdische Arbeiter diese fremden Worte hin, als ob sie seine wären? Ist denn dies nicht eine neue Assimilation? Wohl weiß ich, daß diese Worte in der Welt ungeheure Wirkung haben. Die Feldherren haben sich immer ihrer bedient. Doch was haben wir mit diesen Worten zu tun? Mir scheint, daß nur die Menschen den Tod preisen können, die ihr Leben mit allen Mitteln verteidigen. Aber wir, die wir unser Leben preisgegeben haben... Diese Beziehung zum Tode paßt für Stadtmenschen, die der Natur fern sind. Aber der Arbeitende — wenn er pflügt und sät und das Getreide schön aufgeht, und wenn dann die Heuschrecken kommen und alles vernichten — wird er dazu Beifall klatschen? Und wenn wir hier alle dem Leben lebten und wir dem Tode entgegengehen — ist da Beifallsklatschen am Platze? Wann haben wir unsere Toten unter Zeremonien begraben, mit äußerem Glanz? Als Daganiah seinen Toten zu Grabe brachte,*) hat man doch nicht einmal die Arbeiter von Kinereth gerufen. Und am Grabe von Josef Salzmann sagte Gordon den Kaddisch und vergebens warteten wir darauf, daß einer ein Wort rede. Diese Hochschätzung des Todes ist auch nicht jüdisch. Nach der reinen jüdischen Weltanschauung — der Anschauung von Menschen, die die Erde bearbeiteten, die die Bibel schufen — ist der Tod Zerstörung und sonst nichts. Es ist mir schwer, jetzt den Namen von Jabotinski zu erwähnen. Er ist uns nahe, weil er die fremde Literatur verließ, hebräisch lernte und eine Beziehung zur Dichtung hatte, wie wir — aber fremd ist er uns in seiner Beziehung zur Arbeit, in seinem Unverständnis des Positiven, das durch sie geschaffen wird. Und hart ist es, wenn ein Mensch wie er zu uns den fremden Geist bringt; es ist auch hart, darüber zu sprechen. Vor einigen Tagen fand ein Meeting in Jaffa statt. Jabotinsiki erzählte dort, daß, als man ihn im Heere ungerecht beleidigte, er nur „Yes Sir!" erwiderte. Als ich nach der Versammlung durch die Straßen der Stadt ging und viele junge Leute in blinder Begeisterung dieses „Yes Sir" wiederholen hörte, da fühlte ich das Gift, das diese Worte in unser Leben bringen. Muß man so zu einem bewußten Menschen sprechen, bevor er in die Legion zieht? Ist es nicht Pflicht, ihm zu sagen: Dort wirst du Dinge tun, die deiner Ueberzeugung widersprechen, Dinge, die deine Seele erniedrigen werden. Wisse, daß dies eine Sünde ist; doch nimm sie auf dich mit allem Glück, durch das deine Seele bereichert wird und mit allen Schmerzen, die sie Dir bereiten? In diesem „Yes Sir" liegt Finsternis und wie kann Finsternis zu Licht werden? Dabei gibt es doch etwas, was den jüdischen Arbeiter zur Teilnahme an der Legion begeistert. Wir wollen ausziehen, um neue Menschen zu gewinnen, denen wir die befreiende Arbeit bringen werden, die den Menschen Geduld lehrt, Pflichtgefühl und Verantwortlichkeit, die dem Menschen die *) Mos che Barski. 68

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