Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 2 (März 1930)
- Date
- 1930-03-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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war es, als wären uns Flügel gewachsen, es war uns leichter zu leben und zu arbeiten. Ich fühlte gar nicht, daß dieser Ort nur ein vorübergehender sei und daß ich nach einem halben Jahre an einen anderen, für mich bleibenden Ort zu gehen habe. Meine Arbeit hier war mir die Hauptsache und Vergangenheit und Zukunft waren bedeutungslos gegenüber dieser Hauptsache. Wer weiß, vielleicht lebte im Unterbewußtsein in mir das Gefühl, daß mit dem Abschluß meiner Arbeit hier und mit meinem Uebergang in die allgemeine "Wirtschaft ich von dem allgemeinen Apparat und seinen Traditionen verschlungen werde und die Freude der schöpferischen Arbeit nicht mehr kennen würde. Mittlerweile hatten wir den Arbeitsvertrag über das tiefe Pflügen unterschrieben. Da kamen einige Leute aus Moschav und beeinflußten auch die übrigen Ohawerim, bei uns nicht pflügen zu lassen; denn die Institutionen würden sich um sie weiter nicht kümmern und ihnen nicht den so notwendigen weiteren Boden kaufen. Ihr einziges Zwangsmittel sei — uns nicht pflügen zu lassen so lange, bis man ihnen den Boden kaufen würde. Als der Traktor in unsere Wirtschaft kam, ließen die Chawerim aus dem Moschav ihn nicht arbeiten. Nichts half das Einmischen der Histadruth. Der Traktor stand mehrere Tage auf unserem Felde ohne zu pflügen und dann kehrte er heim. Bei uns gab es Trauer. Die Hoffnungen waren zerstört. Erst nach einem Jahr pflügten wir unseren Boden und ein Teil davon wurde dem Moschav zugeteilt. Erst dann begannen wir den endgültigen Aufbau-Plan unserer Wirtschaft in Angriff zu nehmen. Mirjam Sehlimo witz — Ejn Charod. Obersetzt von Gusta Strumpf. * Zur Freiwilligen-Bewegung. Eachel Kaznelson. (Worte auf der Abschieds-Konferenz der landwirtschaftlichen Arbeiter in Judäa vor dem Einrücken der Freiwilligen. Sommer 1917.) Das einzige, was mich zur Freiwilligen-Bewegung nicht die Achtung finden ließ — war die Frage des Mordes. Und ich antwortete mir selber — wer sagt mir denn, daß Moses oder Garibaldi, die Ströme von Blut vergossen haben, weniger ethisch waren, als irgend einer, der den Krieg verneint? Mir scheint, daß die Verneinung des Krieges in der Kultur ihren Ursprung hat, in der Humanität, aber nicht gerade in der Ethik. Die wahre Sünde sehe ich in dem fremden Geist, der mit der Freiwilligen-Bewegung zu uns gekommen ist. In der Zusammenkunft der Arbeiterinnen sagte einer der Freunde: „Denjenigen, die nach uns aus dem Galuth kommen werden, werden unsere Gräber den Weg zur Arbeit und zum Leben zeigen." Und viele Chaweroth haben auf diese Worte mit Beifall geantwortet. Wie sehr bin ich innerlich zurückgewichen vor dieser Beziehung zum Tode! Denn nachdem man dem Tode Beifall klatscht, kommt immer die Häßlichkeit des Lebens. Und ich frage mich selbst: Hat denn je jemand gewagt, dem jüdischen Arbeiter im Lande zu sagen — „wenn Du hinter dem Pfluge gehst oder in der Nacht wachst, so wisse, daß wenn man dich 67