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Der junge Jude · 1930-03-01 · Heft 2 (März 1930) · page 19

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der junge Jude
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 2 (März 1930)
Date
1930-03-01
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Die Arbeiterinnen-Farm in Nachlath Jehudah. Uns, den Chaluzpth der dritten Alijah, war es schwer, die Arbeiterinnen-Bewegung im Lande zu verstehen. Die russische Revolution, in der ich erzogen wurde, öffnete der arbeitenden Frau große Möglichkeiten öffentlicher Stellungen, wirtschaftlicher und kultureller. Es schien uns, daß alle Scheidewände zwischen der Arbeit des Mannes und der Arbeit der Frau aufgehoben seien. Darum war ich überrascht, als ich im Lande eine besondere Organisation der Arbeiterin und besondere Mädchen-Lehrfarmen fand. Wenn alle die Wirtschaftszweige, die in den Lehrfarmen bearbeitet werden, sich auch in den allgemeinen Wirtschaften finden, — warum also die besonderen Lernstätten? Erst das Leben im Lande lehrte mich, meine Anschauung zu ändern. Mich kostete diese Erkenntnis ziemlich kurze Zeit, etwa ein halbes Jahr. Es gibt Chaweroth, die erst nach vielen Lebens- und Arbeitsjahren im Lande dazu gelangen. Als ich ins Land kam, ging ich zur Arbeit in eine der Kwuzoth nach Galiläa. Groß war meine Enttäuschung, als ich merkte, wie eng der Arbeitskreis der Chawerah im Leben der Wirtschaft ist und wie gering ihr Einfluß war. Dieser Zustand weckte in mir Zweifel: Ob 'überhaupt das Leben der Chawerah in der Kwuzah gerechtfertigt sei und ob sie durch ihre Arbeit ihre Lebenskosten deckt? Wäre es nicht besser, zu meiner früheren Arbeit zurückzukehren, nur Lehrtätigkeit, in der ich produktiver sein kann und in der ich diesen Unterschied zwischen mir und den Fachgenossen nicht so merken werde? Man schlug mir vor, in eine andere Kwuzah zu gehen, in eine größere, in der ich auch Erziehungsarbeit tun könne. Ich setzte mir eine bestimmte Frist für die Antwort und fuhr nach Tei-Awiw, Unterwegs besuchte ich die Arbeiterinnen-Wirtschaft in Nachlath Jehudah, wo die Arbeit der Chaweroth auf mich einen ungeheuren Eindruck machte. Ich sah, daß sie selber alle Arbeiten und die verantwortungsvollsten Aufgaben allein erfüllen, wie die Chawerim in der allgemeinen Wirtschaft. Da beschloß ich, mich noch einmal in der Landwirtschaft zu versuchen. Chawerah Ch. Z., die damals die Wirtschaft leitete, schlug mir vor, auch den Unterricht im hebräischen für die Chaweroth zu übernehmen und ich erklärte mich dazu bereit. Die Arbeitsbedingungen in der Wirtschaft waren schwer. Eine Chawerah war den ganzen Tag mit Verhandlungen mit dem Vorsitzenden der Kolonie wegen der Wasserfrage beschäftigt und ich und noch eine Chawerah schleppten das Wasser in den Blechgefäßen aus den Fässern zu den Beeten, vom frühen Morgen bis zum späten Abend. Wenn irgend eine Meinungsverschiedenheit zwischen dem Kolonie-Vor stand und der Arbeiterinnen-Wirtschaft vorkam, war es das erste, was der Vorstand tat, — er schloß uns das Wasser ab und strafte die jungen Pflänzlinge mit Durst und Trockenheit und die Chaweroth waren ratlos. E* 2:ab Tasre, an denen wir auf unserem Wagen aus Rischon Lezion Wasser bringen mußten, um die Baumschulen zu bewässern und den Kühen und Hühnern zu trinken zu geben. So waren die Sommertage ermüdend und voll Aerger und nur an den Regentagen war es etwas besser. Doch trotz alledem war unsere Arbeit voll Leben und Inhalt. Die Landwirte der Umgebung pflegten zu kommen und die Arbeit der Chaluzoth zu besichtigen und zu loben. Bald war man überall 65

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