Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 2 (März 1930)
- Date
- 1930-03-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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in der Wanne, beim Erwachen, beim ersten Lächeln, bei einer Bewegung, beim Klang seiner Stimme. Groß ist der Schmerz und nicht gering sind all die Lebensschätze, die verloren gehen, wenn man auf all dies Glück verzichtet, auf alle Aeußerungen des kindlichen Bewußtseins im ersten Augenblick ihres Erscheinens. In einem Säuglingsheim, selbst wenn es auf einer besonderen Stufe der Behandlungskultur steht, wird diesen Löbensäußerungen nicht mit der Erwartung begegnet, wie ihnen eine Mutter begegnet. Dazu ist auch keine Zeit. Wie groß ist freilich die Stütze, die die junge Mutter im Säuglingsheim erhält, wenn sie das Krankenhaus schwach und unerfahren verläßt mit dem Kinde auf dem Arm und ohne Familie zur Seite, zu der die junge Mutter in der Gola zurückzukehren pflegte. Von Geschlecht zu Geschlecht werden Wahrheitsfunken des Selbstschutzes tradiert. Was tritt hier im Lande an dessen Stelle? Nicht jede junge Mutter hat Zeit, Bücher nachzulesen. Wir wissen auch, wie wenig das Buch uns gibt für die Begegnung mit der Wirklichkeit, beim ersten Schrei des lebendigen Kindes. Wer diese Dinge hier im Lande Aug in Auge gesehen 'hat, mit der Geburt des ersten Kindes in der Familie, des isolierten Arbeiters in der Stadt und auch im Moschaw, nur der kann den Wert des Säuglingsheims für Mutter und Kind verstehen. Und wie groß ist der Wert der sich aufspeichernden Erfahrung, und der zuverlässigen Kinderpflegekultur, die durch das Säuglingsheim verbreitet wird. Das Säuglingsheim, das unter der Aufsicht eines Arztes geleitet wird, und in sich einen Kreis von Arbeiterinnen konzentriert, deren Hingabe fast immer mütterlicher Hingabe gleichkommt, dieses Säuglingsheim schreitet schon heute in bezug auf die physische Pflege mit sicheren Schritten vorwärts. Es tastet nicht im Dunkeln, wie jede einzelne Mutter, selbst wenn es sich um eine gebildete und tüchtige Mutter handelt, der aber bei ihrem ersten Kind noch Erfalxriuaig mangelt. Aber der nagende Zweifel ist der: auf welchem Wege ersetzen wir dem Kind im Säuglingsheim das Leuchten der Mutteraugen und ihr liebevolles Lächeln, dem auch das Kleine so sehr und besonders unsere Kinder entgegendürsten, wenn es auf die bestimmte Stunde wartet, in der die Mutter kommt. Wenn wir die Lage der Kinder mit der anderer Arbeiterkinder irgendwo, nicht bloß im Lande, sondern auch außerhalb und nicht bloß mit der Lage von Arbeiterkindern vergleichen, so werden unsere Forderungen gegenüber der gemeinsamen Erziehung übertrieben erscheinen. Aber wir dürfen nicht unsere eigentlichen Forderungen ans Leben, ans Land und vor allem an uns selbst vergessen; denn wir sind zur gemeinsamen Erziehung wie zu einer höchsten Erziehungsstufe gekommen, und nur als Erziehungsideal kann uns die gemeinsame Pflege jene Kräfte geben, die erforderlich sind für unser inneres Ringen und unser beharrliches Bewußtsein beim Suchen nach einem andern Weg, auf den wir unsere Kinder zu führen wünschen. Eva TabenJkin — Eja Charod. Übersetzt von Max Majer, Abitur Obersekunda Vormittag--, Abendkurse, auch Mädchen und Erwachsene. Dir. Danziger, Berlin» Alte Jakobstraße 124, Dönh. 5115. 64