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Der junge Jude · 1930-03-01 · Heft 2 (März 1930) · page 17

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Journal
Der junge Jude
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 2 (März 1930)
Date
1930-03-01
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Denn auch in der Kwuzah ergeht es dem Kinde schlecht, das keine Eltern bei sich hat, trotz aller gutgemeinten Anstrengungen der Umgebung, von den Pflegern angefangen, bis zu den kleinen Kameraden, die auch nicht einen Augenblick lang vergessen, daß man das einsame Kind mehr bemuttern muß, als die anderen. Bei der Pflege und in den äußeren Verhältnissen gibt es natürlich keinen Unterschied zwischen diesem Kind und den übrigen Kindern — den ganzen Tag befinden sich ja die Kinder außerhalb der Gesellschaft ihrer Eltern. Aber es genügt, ein elternloses Kind nur ein wenig zu beobachten, in seine offenen Augen zu blicken, die gleichsam immer suchen und auf jemand warten, dann wird uns verständlich, wie groß der Schmerz der Einsamkeit auch bei der gemeinsamen Erziehung ist. Es gibt keine Grenzen für die Liebe, mit der wir das Kind umgeben müssen, um ihm genügend Wärme für den schweren Lebensweg mitzugeben. Denn vermutlich wird auch der Weg unserer eigenen Kinder, die unser Erbe antreten werden, nicht leicht sein. Nur durch die Kraft der Liebe und des Mitgefühls vermögen wir stets wach und aufmerksam zu sein für das Leiden, die Forderungen und Bedürfnisse des Kindes und sie auch ohne Worte zu verstehen, wenn das Kind noch nicht das Wort zu beherrschen versteht. Weil zu diesem Wirken der Kinderpflege es viel Bestellte, aber wenig Berufene gibt, daher kommen uns all die Leiden, die aus dem Verhältnis zwischen den Eltern und den beim Kinde Arbeitenden erwachsen. Denn jede Mutter ist ja mehr oder weniger eine „Berufene" in bezug auf ihr eigenes Kind, wenn auch nur wegen des ihr innewohnenden mächtigen Naturinstinktes. Nur daß dieser Instinkt unsere Seele nicht bis über den Rand erfüllt, wie es die Seele unserer Mutter erfüllte. Ich weiß nicht, ob es gut oder schlecht ist, aber es ist eine Tatsache; das Kind allein befriedigt nicht unser Verlangen nach einer Stellung im Leben, unsere Erwartung von uns selbst. Ich weiß, es gibt kein zurück in die Vergangenheit. Nicht nur nicht in da£ Leben unserer Mütter, sondern auch zu manchen anderen Formen des Lebens der Vergangenheit. Es gibt kein zurück zum Leben einer Ehefrau im alten Sinne. Jede von uns muß ihren Weg im Leben zurücklegen, auch das Kind wird uns nicht daran hindern. Es gibt kein zurück, selbst wenn wir es aus Müdigkeit wollten. Diejenigen, in deren Herzen noch das Sentiment für die Idylle der Vergangenheit heimlich lebt, befreien sich sofort davon, nachdem sie Gelegenheit haben, wieder aus der Nähe das Leben unserer Familien in der Stadt zu beobachten. Im Lichte der Erkenntnis, daß es kein zurück gibt, wird unser Weg noch schwerer. Aber — „trotzdem". Die besonders schwere Zeit, die Sorere und Angst für das Schicksal des Kindes erregt, ist die bis zu seinem dritten Lebensjahr. 'W enn die Mutter ihr Kind einige Tage nach der Geburt anderen Händen anvertraut, und nicht sie es ist, die es wäscht und anzieht, und für alles Notwendige sorgt, von dieser Stunde an beginnt eine Periode des Leidens und Schmerzes, die nicht von der Wurzel aus ausgerotet werden kann. Denn groß ist die Bedeutung der kleinen Bemühungen in der Pflege eines Kindes. Durch sie beobachten wir und lernen seine Entwicklung und sein Wachstum in der wichtigsten und für jeden, der zu beobachten versteht, lehrreichsten Periode kennen. Das Kind in diesem Zeitabschnitt ändert sich von Stunde zu Stunde. Man sieht dies gerade an kleinen Dingen: Beim Baden 63

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