Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 2 (März 1930)
- Date
- 1930-03-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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ARBEITERINNEN SPRECHEN. Wir bringen nachstehend einige Übersetzungen aus dem von der Moazath hapoaloth herausgegebenen Werke „Dizvre Poaloth". Das Buch, das aus Erzählungen, Briefen und Tagebuchs teilen der jüdischen Arbeiterinnen in Palästina zusammengestellt ist, führt mit seiner, auf unmittelbarem Erleben beruhenden Anschaulichkeit, in das Leben der Arbeiterinnen in Palästina, in dessen Schönheiten und Schwierigkeiten hinein. Das Kind und die gemeinsame Erziehung. Ich will versuchen, über die gemeinsame Erziehung zu schreiben. Ich will nicht das Fertige, Komplizierte behandeln, sondern werde das im Entstehen begriffene berühren, das der Gedanke erst zu erfühlen begonnen hat. Ich will vorsichtig an alle Schwierigkeiten der gemeinsamen Erziehung herangehen, die uns auf diesem schweren Weg begegnen, — schwer besonders uns, den Müttern. Wir, die ersten, sind zu dem Gedanken der gemeinsamen Pflege gekommen, noch bevor wir Kinder hatten; und auch später, als wir Mütter wurden, erblickten wir in ihr nicht nur eine Notwendigkeit, die sich aus dem Leben der Kwuzah ergibt, sondern im Grunde ein höheres Erziehungsideal für unsere Kinder. Wir erkannten, daß die gemeinsame Erziehung zum Grundstein des Gebäudes der Kwuzah werden wird. Wir wollten an die Wurzeln der menschlichen Seele greifen, und sie im Lande der Väter durch historische Werte und durch Gemeinschaftsleben befruchten. Freudig und erhobenen Hauptes gingen wir an die ersten Versuche: Kinereth, Daganiah, Tel-Adass. Jede von uns war bereit, ihre Kinder in vollem Vertrauen ihrer Kameradin zu übergeben und zur Arbeit zu gehen. Offen und und unausgesprochen wählten wir für diese Aufgabe die besonders geeigneten unter uns. Teuer kam ums das erste Jahr dieses unseres Versutches zu stehen, einer der besonders entscheidenden Versuche, die uns in diesem Lande und auf diesem Wege — dem Wege der Kwuzah — auferlegt waren, und jede Mutter, die das Leben der Kwuzah lebt, zahlt und wird auch in Zukunft für ihn alles von Neuem zahlen. Wahrlich, mit unserem Fleisch und unserem Blut ist dieser Versuch gemacht worden. Und trotzdem. Es sind schon einige Jahre darüber hinweg und man kann bereits eine Schlußfolgerung ziehen. Wir wollen dies nur von einem Gesichtspunkte aus tun: was ist das Gute daran für das Kind, nicht nur um seines körperlichen Gedeihens willen, sondern auch für seine geistige Entwicklung. Es ist klar, daß in bezug auf das schulpflichtige Kind die Form des Kinderheims die besonders vollkommene Erziehungsform ist. Nicht eine abgesonderte und abgeschlossene Kinderstadt, sondern eine Kindergemeinschaft in unserer Mitte, die unter uns aufwächst, aus unserem Boden Nahrung zieht, und nicht nur von der Liebe der Eltern, sondern des ganzen Kibbuz oder der Kwuzah umgeben ist. Nicht die Liebe der Eltern zum Kinde wollten wir vermindern, sondern ihr noch die Liebe der ganzen umgebenden Gemeinschaft hinzufügen, damit sich das Kind, wenn es die Schwelle des väterliehen Hauses überschreitet, nicht schutzbedürftig zu fühlen braucht. Niemals ist es uns eingefallen, die Liebe von Vater und Mutter durch irgendetwas anderes zu ersetzen. Wie sehr hatten wir, die ersten in der gemeinsamen Erziehung, unter dieser falschen Meinung und den sich daraus ergebenden Forderungen zu leiden. Aber auch dies wird überstanden werden, wenn alle Chawerim Eltern sein werden und die Zahl der Kinder in unseren Kwuzoth steigen wird. 62