Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 2 (März 1930)
- Date
- 1930-03-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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bürgerlichen Ursprungs ist aber erst realisierbar nach Beseitigung des Kapitalismus überhaupt. Es gibt also nur ein kilares entweder oder: Entweder jetzt unter Benützung der fremden Mächte zu dem von uns gewollten Zweck oder erst später nach Beseitigung aller heutigen Machtverhältnisse. Zwischen diesem Entweder-Oder gibt es keine Versöhnung. Wer aber den jüdischen Palästinaaufbau erst nach der Abschaffung aller existierenden Machtverhältnisse beginnen will, der hat mit der auf einen gegenwärtigen Aufbau zielenden Bewegung des Zionismus keinerlei Gemeinschaft. Wer aber glaubt, ihn ohne diese fremden Mächte jetzt verwirklichen zu können — und das ist der Standpunkt der „linken Opposition'^— der übersieht, daß sowohl der Völkerbund als auch die Araber sich an Palästina zurzeit nicht desinteressiert zeigen und Land, Maschinen und Vieh zurzeit nicht ohne Kapital zu erhalten sind. Obwohl diese Erkenntnis außerordentlich banal ist, beruht auf ihrer Verkennung der Standpunkt der „linken Opposition". Wie es aber oft geschieht, kommt die falsche Erkenntnis nur dadurch zustande, daß die Erkenntnis schon vor dem Denken feststand und gewollt war. Das Denken wird in dem Augenblick ein* gestellt, wenn es die gewollte Erkenntnis gefährden könnte. Die gewollte Erkenntnis aber lautet: Wir wollen Palästina jetzt aufbauen, wir wollen aber dennoch nicht in einen Gegensatz geraten zum Kommunismus. Die seelische Wurzel dieses Widerspruches ist klar. Man übt Kritik an der kompromißreichen Taktik der Deutschen Sozialdemokratie und fühlt sich stärker mit der kommunistischen Bewegung verbunden, auf der anderen Seite aber besteht noch ein Rest jüdischer Substanz und jüdischen Zusammengehörigkeitsgefühls, ist die Anziehungskraft des neuen jüdischen Arbeiter» lebens in Palästina wirksam, so daß man ebenso auch die Verbindung aus Palästina will. Man strebt deshalb nach einem solchen Aufbau Palästinas, wie ihn die kommunistische Internationale eventuell erlauben würde: das ist Palästinaaufbau ohne England und ohne jüdisches Kapital. Wir müssen aber der Wahrheit ins Auge sehen und erkennen, daß diese Formel he^ßt: kein Palästina au fban zurzeit. Nach dem, was wir am Anfang gesagt haben, wird der Zwiespalt zwischen Kommunismus und Palästinaaufbau, solange ein junger Mensch mit ihm zu ringen hat, kein Anlaß sein, seine Zugehörigkeit zum Bunde zu lösen. Wenn aber Genossen, die schon längere Zeit im Bunde sind, das Gefühl dafür verloren haben, daß sie sich in einem Zwiespalt befinden und ihre widerspruchsvolle Lösung, die keine Lösung ist. zum Programme des Bundes erheben und damit die Aktion für den Palästinaaufbau, für die Arbeiterschaft, für die zionistischen Fonds hemmen, dann ist für sie im Bunde kein Kaum mehr. Das gilt besonders in dem Augenblick, in dem die ihrer Sache siehe« ren Chawerim nach Erez Israel gehen, während die Genossen der „linken Opposition" die Grundlage des Bundes gefährden. Die Administration erhält häufig Reklamationen wegen unregelmäßiger Zustellung der Zeitschrift. Die Abonnenten versäumen fast immer, uns rechtzeitig die Aenderung ihrer Adresse mitzuteilen. Wir bitten daher dringend, uns von jeder neuen Anschrift sofort in Kenntnis zu setzen, da wir sonst nicht für einen geordneten Versand sorgen können. * Wir bitten dringend, die Abonnementsgebühren für das 1. Halbjahr des 3. Jahrganges zu überweisen und versäumte Zahlungen nachzuholen. Eine Zahlkarte, die auf unser Konto lautet, ist diesem Heft beigelegt. 61