Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 2 (März 1930)
- Date
- 1930-03-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Palästina ein Falktor in der imperialistischen Politik Englands war. Wir sehen hier die in der Geschichte nicht seltene Erscheinung, daß zwei geschichtliche Mächte verschiedenen Inhalts, verschiedener Herkunft und. verschiedener Zielsetzung auf einem schmalen Gebiet zeitweilig gleichlaufende Interessen haben und daher eine Verbindung miteinander für dieses schmale Stück Weg, und nur für dieses, eingehen. Wichtiger ist aJber noch die folgende Ueberlegung. Führt die Beteiligung der .jüdischen Bourgeoisie und des englischen Imperialismus am Palästiiniaaufbau z/u einer Stärkung oder Konservierung dieser Mächte? Werden die jüdische Bourgeoisie und der englische Imperialismus durch den Zionismus unterstützt oder in ihrem Bestände gesichert? Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß das nicht der Fall ist. Wenn es so wäre, dann wäre der Einsatz der beiden Mächte für den Zionismus ungleich leidenschaftlicher, dann brauchten zionistische Sozialisten nicht dauernd um diesen Einsatz zu werben. Hinzu kommt, daß es ja bei der Beurteilung der Verbindung zwischen Zionismus einerseits und jüdischen Bourgeoisie und englischem Imperialismus andererseits nicht gleichgültig sein kann, zu welchem Zwecke die Verbindung geschieht und welchen Inhalt sie hat. Die Verbindung führt dazu, daß das jüdische Kapital Mittel zum Aufbau von sozialistischen Genossenschaften in Palästina zur Verfügung stellt. Palästina als englisches Mandatsland mit jüdischer Einwanderung bewirkt, daß die englische Verwaltung gegenüber der arabischen Bevölkerung nicht ein rücksichtsloses Kolonialregime einführen kann, sondern sich immer wieder auch der Kritik des in Europa aufgewachsenen jüdischen Arbeiters gegenübersieht. Aber auch die Einsicht in diese Zusammenhänge darf uns nicht davon abhalten, die jüdische Bourgeoisie und den englischen Imperialismus sowohl im Bereiche unserer Arbeit wie auch im Weltmaßstab zu bekämpfen. Der grundlegende Unterschied zwischen uns und der linken^ Opposition äußert sich gerade in diesem Kampfe gegen den englischen Imperialismus und die jüdische Bourgeoisie: Wir wollen den Aufbau einer jüdischen sozialistischen Heimstätte in Palästina jetzt und in dieser Zeit, zusammen und gegen die Mächte, mit denen und gegen die wir dieses Ziel erreichen können. Wir sind daher bereit, Hilfe auch von nichtsozialistischen Mächten anzunehmen, wenn nur die Wirkung der Hilfe uns nicht in einen untragbaren Gegensatz zu den Gedanken „.des Sozialismus bringt. Konkret: Wir sind bereit, Hilfe vom englischen Imperialismus und von der jüdischen Bourgeoisie anzunehmen, wenn wir so das sozialistische Palästina bauen können. Wir wissen, daß dieser Aufbau gerade durch die Hilfe dieser Mächte außerordentlich schwierig ist, wir wissen aber, daß er in dieser Zeit ohne diese Mächte unmöglich ist. Wir aber wollen diesen Aufbau jetzt und in dieser Zeit. Nur wer den Aufbau jetzt nicht will, kann dagegen sein, daß die starke jüdische Eenaisasncebewegung des Zionismus, daß die sozialistisch entschiedene, kampfes- und opferbereite Arbeiterschaft sich nicht derjenigen Mächte bedient, ohne die ein jüdisches Palästina jetzt nicht sein kann: ohne die Zustimmung der nolitischen Macht, die die Herrschaft über Palästina hat und ohne Hilfe der wirtschaftlichen Macht, die einen nennenswerten Anteil der Mittel zum Aufbau beisteuert. Es ist der linken Opposition zugegeben, daß auch eine Kolonisation ohne England und ohne die jüdische Bourgeoisie formell denkbar ist. Das, was jederzeit denkbar ist, ist aber nicht jederzeit realisierbar. Jüdischer Palästinaaufbau ohne Zustimmung einer fremden politischen Macht und ohne Mitbeteiligung von Kapital 60