Mannheim
Compact Memory

Der junge Jude · 1930-03-01 · Heft 2 (März 1930) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der junge Jude
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 2 (März 1930)
Date
1930-03-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3497353-3497367-3497369--524-3498012
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

ich sagen, daß nirgendwo im der Welt die Forderungen des jüdischreligiösen Liberalismus schon heut in solchem Maße verwirklicht sind, wie in Palästina. Ich will nicht von der allgemeinen Durchführung der Milah sprechen, sondern z. B. vom Schahbos..— es imponiert mir, daß in der „Schieberstadt4* Tel-Aviw alle Geschäfte von Kiddusch bis Hawdolo geschlossen sind, und die Form jedenfalls da ist, in die der sabibiatliehe Inhalt fließen kann. Wo halben wir das anderswo? Wo hatte ein liberaler Rabbiner solche Chancen auf volle Bänke? Und wenn ich höre, wie <aiuif der Bigamischen Realschule, einer typisch nationalistischen, die Kinder Tenach lernen, dann wird mir bei dem Gedanken an unsesrn Religionsiuinterrieht und seine Höehstfoirdeorangen für ihn bitter ums Herz. In allen Nachruf en über Franz Roisenizweig wird bebooit, daß er, der Tote, weiter lebendig ist. Persönlichkeiten aber haben das Recht zu fordern; wir haben hier Franz Rosenzweig absichtlich nur von einer Seite betrachtet. Und hier fordert er: Achtum^ vor dem Gegner, nicht wegen seiner Theorien, sondern wegen seiner rechten Tat, trotz bösem Williens." Ernst Moosbacher (Aelternbund-Kameraden.) ABGRENZUNG. Es hat bisher au unseren Vorstellungen vom Wesen eines Jugendbundes gehört, daß die Grundlage der Zugehörigkeit zum Bunde nicht notwendig gegeben ist durch die Gemeinsamkeit der politischen Anschauung in allen ihren Punkten, sondern daß die Zugehörigkeit zum Bunde in erster Linie auf einer Gemeinsamkeit der menschlichen Haltung beruht. Diese Vorstellung vom Wesen des Jugendbundes hat zwar im Laufe der Zeit eine Wandlung insofern erfahren, als zu der ersten Voraussetzung der Gemeinsamkeit der menschlichen Haltung noch die zweite Voraussetzung zur Zu^ gehörigkeit zum Bunde hinzukam: die Bejaihung des gemeinsamen politischen Zieles. Es entsprach aber dem starken gegenseitigen Vertrauen, daß das gemeinsame politische Ziel nur in seiner allgemeinsten Form formuliert wurde, ohne daß von den Mitgliedern des Bundes verlangt wurde, ein ins Einzelne gehendes Programm zu entwickeln und anzunehmen. Trotz der Politisierung des Bundes, der Bejahung des politischen Mittels auch für junge Menschen, haben wir es vermieden, für den Bund als ganzen ein Programm aufzustellen. Wir haben dies mit Recht als Aufgabe der politischen Parteien bezeichnet und haben gerade dem Bunde eine Sphäre vorbehalten, innerhalb derer wir uns alle „unterwegs" zu unseren Anschauungen betrachtet haben. Wir sahen uns selbst so stark in einer geistigen Auseinandersetzung begriffen, daß es unmöglich erschien, die Zugehörigkeit zum Bunde von der Annahme oder Ablehnung bestimmter Anschauungen abhängig zu machen. Der Bund fühlte sich so stark als eine Erziehungsgemeinschaft, daß es ihm „unmoralisch" erschienen wäre, wollte er jemanden deshalb von der Zugehörigkeit zum Bunde ausschließen, weil der Inhalt seines Denkens sich nicht mit dem Inhalt des Denkens der Mehrheit deckte. So kommt es, daß unsere Bundestage fast niemals Abstimmungen brachten, kaum für die Zukunft verbindliche Beschlüsse annahmen* sondern daß sie die Bundesarbeit nur insofern gestalteten, daß sie die Bundesleitung wählten. Dabei stand als einziges allgemein anerkanntes Ziel des J. J. W. B. nur die Formel fest, daß der Bund 58

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.