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Der junge Jude · 1930-03-01 · Heft 2 (März 1930) · page 11

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Journal
Der junge Jude
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 2 (März 1930)
Date
1930-03-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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nidhits zum Verständnis des Hildebrandliedes, war aber eime hebräische Zeitung liest, lernt, vielleicht gegen den Willen des Verfassers, stets etwas Neues zum Verständnis der Thora. Er leugnet nicht das jüdische Volk, aber das Problem beginnt bei ihm, wo es bei Herzl aufhört: „Wir sind mehr als ein Volk und diatrum weniger, weniger als eine Beligiom und darum mehr." Dieses Paradox ist seine Antwort auf die Frage, was die Juden den/n nun eigentlich seien. Und er verwirft den zionistischen Aberglauben, daß es nur warm sei, wo die Sonne scheine, es sei .auch dort warm, wo man einen guten Ctfen halbe. Und er sah lebendige Kräfte auch dort und gerade dort entspringen, wo das Judentum in Auseinandersetzung mit der Umweltfcultur steht. Er liebte die Gefährdung, beja/bte die Gefahr, bejahte die deutsch-jüdische Synthese. Dias was Rosenzweig über die andern Theoretiker des Niohtzionismus hervorhebt, war neben der ungeheuren Klarheit seiner Gedanikenführung, neben der Vertiefung aller andern Theorien, neben der Ueberwindung des Konfessioinalismiuis und der Konkretisierung des Religionsbegiriffes vor allem die Tatsache, daß er nicht bei der Kritik stehen blieb. Er vertrat nicht nur die Meinung, daß jüdisiche Wirklichkeit 'außerhalb Palästinas möglich sei, sondern er suchte sie zu schaffen. So entstanden seine großen Leistungen: das Lehrbaus und die Akademie. So entstanden seine Uebersetzungen, von denen er nicht nur Wissensbereiciherung, sondern wahre ^Bildung" erhoffen durfte. So bildete er einen Kreis von Schülern, die seine Gedanken und seine Taten weiter trugen. So mußte Weltsah an seiner Bahre mit Brecht zugeben, daß der Zionismus vielleicht der wichtigste, nicht .alber der einzigste Teil der jüdischen Renaissancebewegung sei. Seihen vor der eigentlichen Gründung der Agency trat Rosenzweig für Beteiligung am Palästinaaiufbau ein. Selbstverständlich möchte man heute fast sagen. Und doch gerade für ihn nicht selbstverständlich. Denn warum sollte er, der — wie selbst Zionismen zugaben — etwas ganzes tat, sich halb an einer anderen Sache beteiligen 1 Selbstverständlich besaß er keine staatsbürgerliche Aengstlichkeit. Als selbstverständlich konnte gelten, daß er Hoffnungen für die Lösung der objektiven Judennot auf Palästina setzte. Aber dies alles konnte für ihn nicht entscheidend sein. Was für ihn entscheidend war, begründet er ausführlich in dem Aufsatz , Neuhebräisch'?" (Zweistromiland S. 111) und den Briefen eines Nichitzionisten an einen Antizion'isten. (Buberheft des Juden 1928.) Entscheidend ist für ihn der „Gnadenaikt der Inlkonsequens". Nicht die kleinen Inkonsequenzen der Tagespolitik sind hier gemeint, sondern jene große schicksalhafte Inkonsequenz, die den Zionismus zwingt, gerade das zu tun, was der religiöse Jude will. Trotz allem Wollen kann der Zionismus das ewige Volk niclht zum zeitlichen machen. Mir offenbart sich ganz deutlich die gläubige und aus Gläubigkeit „nationale" Persönlichkeit Rosenzweigs, wenn er seine Ueberzeugung in die Midraischworte 'kleidet, ,.Auoh gegen euern Willen bin ich euer Gott". Ueberall, wo etwas Jüdisches gesdhieht, ist es notwendig traditionsgebunden. Die nackte Unwahrheit ist ebensowenig lebensfähig wie die nackte Wahrheit, und bekleidet sehen sie einander nicht mehr so unähnlich." So hälit Rosenzweig und so sollte es jeder religiöse Jude tun, den Zionismus wider den Willen seiner Theoretiker für einen stanken Träger religiöser Erinnerung „Und wenn ich mir das spontan Entstandene in Palästina ansehe, so muß 57

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