Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 2 (März 1930)
- Date
- 1930-03-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Weg zu der vereinigten Partei und der vereinigten Kibbuzbewegung findet. Die dritte Alijah brachte wieder neue Parteien und Gruppenbildungen mit sich. Wie seinerzeit die alten Parteien, Poale Zion und Hapoel Hazair, leben auch diese in einer van der Galuth übertrage* nen Begriffs- und Gefühlswelt. Die Entstehung solcher gesellschaftlicher Formationen aus der jeweilig neuen Alijah und ihre allmähliche Einsaugung in die Arbeiterschaft ist ein Prozeß, der noch lange die Alijah begleiten wird. Er ist ein Teil des Entassimilierungsprozesses des jüdischen Menschen in Palästina. E. L. ZUM TODE VON FRANZ ROSENZWEIG. Wir haben Ernst Mooabaclier vom Aelterenbun'd „Kameraden** gebeten, anläßlich des Todes von Franz Rosenzweig zu der Persönlichkeit Rosenzweigs, vom Standpunkt seines Kreises aus, Stellung zu nehmen. Wenn ich anläßlich des Todes von Franz Rcsenzweig einige Worte über sein Verhältnis zum Natiou&ljudentum zu sagen versuche, so werde ich auf einen Brief über Hermann Cohens Nachlaßwerk gelenkt. Der Brief ist «an die Redaktion dar „Jüdischen Rundschau" gerichtet, die Rosenzweig gebeten hatte, aius dem Buch „Die Religion der Vernunft nach den Quellen des Judentums" die zahlreichen Stellen hervorzuheben, in denen der Verfasser das nationale Element in der jüdischen Religion betont. Rosenzweig zeigt hier, wie Hermann Cohen, der „als erster jüdischer Denker in freier und schöpferischer Erbsehaift dais Erbe der Griechen und Deutschen antrat, nicht wie Philo und Maimanides das Eigene nur an- und einfügend, darum und noir darum die Freiheit hatte, um sich auf sein Judentum so tief zu besinnen, daß ihn diese Besinnung auf die Lücke führte, die in all jenem fremden Denken selber offen geblieben war und offen bleiben mußte: „Der Jude entdeckte den Juden in sich." Aber das Jüdische sitzt zu tief und zu hoch; um nicht dem Blick, «der nach Nationalem im Sinn etwa der Gesellschaft zur Befreiung kleiner Nationalitäten Ringenden zu entgehen, nur in diesem tiefen und hohen Sinne sah es auch Rasenzweig. Cohen hielt den Zionismus für eine Episode. Und Roisenzweig sagt von Cohen und auch, von sich, daß er „hinübergegangen" wäre, wenn er anders gedacht hätte. Dies hindert ihn nicht, dem Zionismus zu wünschen, daß er das ganze Geschlecht der San-Remo- Zi'onisten wieder überwinde und ganz und gar die Sache derer werde, die ihn für keine Episode hielten. Zwischen diesen und den anderen, die hinübergingen, wenn sie den Zionismius für etwas amderes als eine Episode hielten, 'bestehe ein tieferer Einklamg als mit den Mitläufern im jeweils eigenem Lager. So begründete Rosenizweig die Position des „Nichtzicmisten". Weit entfernt davon, mit den „Ve-reinsstaatsbürgern" 'dem unpatriotische«! Zionismus ztu bekämpfen, stand er furnd) seüne Anlhäniger (die in der deutsehjüdisicben Jugendbewegung bewußt und unbewußt immer mehr werden,) ihm ablehnend gegenüber. Er verwarf den Zionismus als die Unwahrheit, daß das jüdische Volk ein Volk wie alle Völker sei, die hebräische Thora die gesprochene Sprache eines Volkes wie das Deutsche und Englische. Das jüdische Volk sah er stets nur als das „ewige" Volk. Wer Thomas Mann liest, lernt damit 56