Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 2 (März 1930)
- Date
- 1930-03-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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geschlossen. (Die Vereinigungskonferenz fand in Petaeh-Tikwah 1919 statt.) Der Hapoel Hazair lehnte damals fair sich die Vereinigung ah. Seine Anhänger fürchteten, daß die Gesamtarbeiterschaft die Werte der hebräischen Sprache und Kultur gegenüber der erwarteten Massenalija nicht mit genügender Stärke wahren wird. Sie hielten die Verbindung mit dem internationalen Sozialismus für gefährlich, da sie nach ihrer Ansicht die Konzentration auf die Wirklichkeit Palästinas abschwäche. Eine 'einschneidende Rolle spielten auch innere Ressentiments, die Angst, in der „grauen Masse" seine Eigenart zu verlieren. 1919—1920 herrschte zwischen den beiden Parteien „Achduth Haawoda" und „Hapoel hazair" eine erregte Auseinandersetzung und ein Kampf um die ersten Chaluz-Einwanderer der dritten Alija. Die Ohaluzim, die in dieser Zeit ins Land kamen, fanden fast keine gemeinsame Arbeiterinstitution: jede Partei hatte ihren Arbeitsnachweis, ihre Krankenkasse, ihre Kwuzoth usw. Auch die alte einheitliche landwirtschaftliche Organisation wurde gespalten. Der Druck der neuen Einwanderer (besonders sei Trumpeldor zu erwähnen) zwang die Parteien, eine neue Form der allgemeinen Organisation zu finden. In der Konferenz in Haifa (Dezember 1920) wurde die allgemeine Arbeiterorganisation der jüdischen Arbeiter Palästinas „Histadruth" gegründet. Dem Hapoel Hazair wurde damals das Zugeständnis gemacht, daß die Histadruth keine politischen Funktionen übernahm. Die neun Jahre des gemeinsamen Kampfes und Schaffens von 1920 bis 1929 haben die Einigungsentwicklung weitergetrieben. Einerseits gewann die Histadruth das Vertrauen sämtlicher Arbeiterkreise und man überließ ihr allmählich auch die Ausführung der kulturellen und politischen Aufgaben. Andrerseits sind sich die beiden Arbeiterparteien durch die gemeinsame Arbeit und Verantwortung innerhalb der Histadruth näher gekommen. Gerade die Kriegsjahre 1926—28, die im Zionismus eine große Offensive gegen die Arbeiterschaft heraufbeschworen,*) haben viel zur Stärkung der Klassensolidarität beigetragen. Die Teile der palästinensischen Arbeiterschaft, die bei dem Angriff der zionistischen Eeaktion gegen die Arbeit er wir tschaft Beistand von befreundeten bürgerlichen Zionisten erwartet haben, wurden aufs schwerste durch die Haltung dieser Kreise enttäuscht. Dies hat unter den Arbeitern das Bewußtsein gestärkt, daß in schweren und entschiedenen Kampfmomenten die Arbeiterschaft nur auf sich selbst angewiesen ist und nur durch Zusammenschluß Werte verteidigen und Eroberungen erweitern kann. Die Vereinigung der beiden Parteien Achduth Haawoda und Hapoel Hazair ist ein Schlußstrich einer 25jährigen Entwicklung. Die vereinigte palästinensische Arbeiterpartei zählt heutzutage zirka 6000 Mitglieder und bekommt in den Wahlen zor Histadruth ungefähr 85 Prozent der Stimmenzahl. Dieser Zusammenschluß, der die große Mehrheit der Arbeiterschaft vereinigt hat, beendigte den Eiuigungsprozeß noch nicht vollkommen. Entscheidende Teile des „Haschomer Hazair" haben sich der Vereinigung nicht angeschlossen. Gerade vom Standpunkt der zion.-sozial. Jugend, für die die Kibbuzbewegung ein erzieherisches Ziel bedeutet, ist es zu wünschen, daß der Haschomer hazair den *) Der Kampf gegen die Kwuza, Beriefet der Untersuohungskommis sion der Jewish Agency, Aussobaltung der Arbeiter aus der Exekutive. 55