Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 2 (März 1930)
- Date
- 1930-03-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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die Herrschaft zu ergreifen, und nicht um ihre Wahrheit au verwirklichen, so bewirkt die Partei nur Zerstörung innerhalb der Klasse und im Volk. Damm, sehen wir eine Erec&eimjuaig, wie wir sie im Leben anderer Völker erkenneoi, wo die Partei ziu einer Sekte von Herrschern wird, wo die Herrscher unter sich einen Krieg führen, wo ein Niedergang der freien Gesellschaft ist, wo die Führer einen Krieg gegen die Masisen und die Massen einen Krieg gegen die Führer führen. So ist es überall: ein Segen für die Partei, wenn ihr die Herrschaft zur Verwirklichung der Wahrheit dient, und ein Fluch für die Partei, wenn ihr die Herrschaft ein Ziel an sich ist. Und bei uns gilt das noch in viel höherem Maße, in einer Gesellschaft, die im Werden ist, die sich erst entwickelt, der sich Tag für Tag neue Kräfte anschließen, für die alles noch in der Zukunft liegt, die arm ist, die fast nichts hat, in der nichts da ißt, worüber man herrschen sollte, und der jede Herrschaft eine Fiktion und eine Selbsttäuschung ist. Bei uns wäre eine derartige Erscheinung, daß die Führer nach Herrschaft streben und die Massen ihnen kritiklos naöhfcilgen, nicht nur ein großer Mangel, der sich entwickelnden Gesellschaft, sondern auch eine Schande und eine Lächerlichkeit. Bei uns in höherem Maße als irgendwo anders hat eine Arbeiterpartei eine andere Aufgabe: Sie muß den ^menschlichen Staub", die zufällige Vereinigung von einzelnen, in einen Körper verwandeln, fest, bewußt, in dem jeder einzelne weiß, was er will, in dem jeder einzelne seinen selbständigen Gedanken denkt, wo dennoch alle zusammen über die Einheitlichkeit des Werkes wachen. Und das verpflichtet zur höchsten Nähe zwischen den Führern und der , Masse" (falsche und schadhafte Begriffe, besonders bei uns), zur ständigen Kritik oder Genossen „aus der Reihe" an den Führern, zur tiefen Erziehung, besonders des jungen Geschlechts zum Selbstdenken, zum Freisein von überflüssigem Gehorsam. Diese Erziehung ist eine der besonders wichtigen und verantwortungsvollen Aufgaben der Partei, besonders bei einem Volk, das zwei Jahrtausende kein eigenes politisches Leben hatte. Was nützt eine große Partei, deren Führer früh und afoends proklamieren: Tausemde haben wir hinter uns, wenn sich das leben in der Spitze der Partei konzentriert, die Zelle alber im Schatten steht, sich nicht an der Parteiarbeit und dem Parteideniken beteiligt, und keinen Einfluß auf die Richtung der Partei hat. Was nützt es, wenn man im der Zentrale arbeitet, aber in den städtischen und dörflichen Zweigen Langeweile und Gleichgültigkeit herrscht? Die Grundlage für eine gesunde Masseapartei, für eine Volkspartei, sind die örtlichen Puukte. Die palästinensische Siedlung befindet sich im Bau und in der Entwicklung. Inmitten dieser Siedlung lebt und 'arbeitet die Arbeiterklasse, die das Werk nach einem sozialen, d. h. amch seelischen Plane aufrichten will. Dieser Plan verlangt: auf sozialem Gebiet Befreiung des Arbeiters von Ausbeutung, auf seelischem, geistigem Gebiet: Erwachen des Geistes, Weite des Gedankens und des Fuhlens. Wir können nicht vollkommen sicher wissen, ob unsere Anstrengungen Erfolg haben werden. Viel, fast alles hängt von der Kraft der Arbeiter ab, von ihrer Fähigkeit, überaemimene Begriffe und die herrschenden Sitten zu überwinden. Und diese innere Kraft und diese Fähigkeit wiederum hängt nicht nur in geringem Maße von der Einigkeit im inneren Laiger aib, von der Einigkeit, die sich nidht 53