Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 2 (März 1930)
- Date
- 1930-03-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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der gesamten Arbeiterklasse und nidht eine Parteisekte, und für die spätere Zukunft, wenn die sozialen und die wirtsehaftliethen Grundlagen geschaffen sein werden, eine Partei für das ganze Volk. Auch in der vereinigten Partei werden Strömungen entstehen. Eis kann nicht anders sein. Aber der Böden, auf dem die Strömungen wachsen werden, wiird ein sachlicher Boden sein. Es wird um sachliche Fragen gehen, und nicht um den Nutzen und den Sahaden einer Partei. Nur eine große Partei ermöglicht das Bestehen von organischen natürlichen Strömungen, die aus wahrhaft verschiedenein Anschauungen heraus entstanden sind. Doch die Bedingung ist: vergiß die Vergangenheit! Niemand soll glauiben, daß, weil dieser Ohawer in derselben Partei wie er war, alber der andere in der zweiten Partei, es seine Pflicht isit, diesen zu unterstützen und jenen zu 'bekämpfen. Darum soll jeder in die neue Partei hineingehen, als ob er übertbauipt ziuim erstenmial in eine Partei kommt. Ein neues Parteileben: das bedeutet nicht, daß er sein vergangenes Leben, verachten soll, daß er glauben soll, daß in den «alten Parteien 'alles schlecht war. Soktnge zwei getrennte Parteien "bestanden, und eine die andere beobachtete, war jede gezwungen, sich vor Fehlern und vor Unglauben an die Erfüllung der Aufgabe zu hüten. Das Resultat konnte ziuweilen positiv sein, aber (Jem standen zuweilen Fälle gegenüber, in denen das Resultat negativ war, und zwar, weil die gegenseitige Beobachtung in jeder Partei eine falsche Solidarität entstehen ließ. Eis war verboten, die Schwächen der Genossen vor den Augen der konkurrierenden Partei aufzudecken, und darum Pflicht, die Sünden zu verdecken. In dem Maße, als eine Partei größer wird und keine Furcht vor Konkurrenz hat, in dem Maße kann sie ernste Selbstkritik üben. Auch darum das Ideal: ein e Partei der gesamten Arbeiterklasse. Auch in der vereinigten Partei werden unfähige und ungläubige Genossen sein. Aber ©ie hat eine größere Möglichkeit, über die „Reinheit" in ihren Reihen zu wachen falls die immerwährende strenge, vorurteilslose Selbstkritik ein Eckstein in ihrem Bau sein wird. Eine Losung kann erzieihen und den Weg bezeichnen, aber eine Losung kann aiuch als Rechtfertigung für Untätigkeit dienen. Jede politische Partei steht Stunde um Stunde, Tag um Tag vcar der Gefahr des Absterben« der Losung. Nicht immer hat man auf jede Frage eine klare und verständliche Antwort. Nicht immer ist die Möglichkeit da zur rettenden Tat. Man muß dies mit ganzer innerer Wahrhaftigkeit erkennen oihne damit zu rechnen, was die andern sagen werden. Es ist besser ein zugestehen, daß die Partei keine Antwort aoif diese Fragen oder nicht genügend Kräfte für diese Tat hat, als den Mangel mit einer Losung zu verdecken, die keinen Wert hat, und die nur, bewußt oder unbewußt, zum Selbstbetrug dient. Es ist besser, einige Nächte ohne. Schlaf zuzubringen, als sich mit nanikotiscihen Mitteln zu vergiften. Auch die Vereinigung der Partei ist nur eine Losung, ein Wegzeichen. Zwei Parteien kamen zu zwei Konferenzen zusammen. Sie vereinigten sich dann in der Vereinigungszusaimimenkunft und wählten die Organe der neuen Partei. Was heißt das? Es gibt eine Möglichkeit: statt zweier Büros, statt zweier Selkretariate, statt zweier Zeitungen wird nur ein Büro, ein Sekretariat, eime Zeitung bestehen. Daß ist eine große Konzentrieruntg der Energie, der seelischen Kraft, der Zeit des Geldes, eine konzentrierte Arbeit, eine Arbeit, die frei 51