Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 2 (1929-1930)
- Issue
- Heft 4-5 (November 1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- – (sequence 47)
- Language
- German
- Belongs to
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Anläßlich der Hochzeitsfeier eines Sohnes vom Scheich Abu Ki- $c hak, einem Dorfe in der Nachbarschaft von Petach Tikwah, waren einige Wochen nach den Ereignissen, zirka 150 Juden aus den Dörfern Petach Tikwah, Kfar Saba, Magdiel, Raanana, Herzlia geladen. Das Fest wurde zu einem wahren Friedensfest von tiefer Bedeutung. Im Namen der Juden dankte Abraham Schapiro mit großem Taktgefühl für «die Einladung. Der Scheich antwortete und sagte, daß für ihn und seine Familie dieser Tag ein großes Fest bedeute und daß er den Gästen von Herzen dafür danke, daß sie seiner Einladung Folge geleistet haben. Frieden möge in Zukunft im Lande herrschen. Die Haltung des Jischuw nach den Ereignissen. Die in Rechowoth untergebrachten Bewohner von Beer Tuvia sehnen sich darnach, in ihr verbranntes und ausgeplündertes Heimatsdorf zurückzukehren, um es aufs neue aufzubauen. Sie sehnen sich nach dem Boden, dem sie in hartem Ringen im Laufe von 33 Jahren ihr karges Leben abgerungen haben. Sie alle fühlen, daß dieser Boden sie nicht mehr losläßt, daß sie seinem Rufe Folge leisten müssen. Die Bauern von Hartuv wollen einen Teil ihres Bodens an mehr Familien verpachten, um dadurch die Anzahl der Siedler zu vermehren. Kfar Urieh will eine Kvuzah in der Kolonie ansiedeln. Sie fordert von der Regierung eine Polizeistation und Telephonverbindung, da sie die entfernteste jüdische Kolonie ist. Auch gedenkt die Kolonie gründliche Aenderungen im Aufbau der neuen Siedlung vorzunehmen, so vor allem dem furchtbaren Wassermangel abzuhelfen und die Siedlerzahl zu vermehren. Auch Hulda rüstet sich für den neuen Aufbau, für eine bessere fcimdierung und Erweiterung der Siedlung. Der in der Nähe liegende Boden von Geser, der bisher unbebaut war, soll jetzt für die Siedlung erschlossen werden. Bautätigkeit In den Städten beginnt eine leb^ haftere Bautätigkeit. In Tel Aviv sind durch den neuen Zuzug von Menschen aus Jaffa neue Wohnhäuser nötig geworden, sowie durch eine stärkere Konzentrierung der Handelsunternehmungen Bureauhäuser, Lagerräume etc. In Haifa und Jerusalem strebt der jüdische Jischuw nach den Ereignissen darnach, sich in jüdischen Stadtvierteln zu konzentrieren, sodaß dadurch die Bautätigkeit beträchtliche Anregung erfahren hat. Das Regierungsamt für öffentliche Arbeiten in Jaffa hat die Fortführung der Chaussee Petach- Tikwah — Kalkelieh ausgeschrieben. Die Chaussee soll ungefähr 2 Kilometer weitergeführt werden, ca. 11.000 £ kosten und aus Eisenbeton hergestellt werden. Man plant in Tel Aviv den Bau einer kleinen Hafen anläge, einer Mole, zum Teil auch um den bedrückenden Eindruck der Landung in Jaffa zu umgehen. Der Neuankommende, der mit tiefster Erregung dieser seiner ersten Stunde auf dem Heimatboden entgegensah, wird mit wüstem Geschrei empfangen. Die Freude der Ankunft im Lande soll nicht getrübt werden durch unnütze Quälereien. Der Neuankommende soll sofort in seiner Sprache von Brüdern empfangen werden. * Jüdische Steinindustrie. Die Versorgung des Jischuw mit jüdischem Stein ist seit langem eines der wichtigsten Probleme der wirtschaftlichen Autonomie in den Städten Haifa, Jerusalem und Tiberias, in denen sehr viel und zum Teil ausschließlich in Stein gebaut wird. Bei Jerusalem war durch Soleiboneh mit Hilfe der nationalen Fonds auf dem Boden des Keren Kajemeth in Mekor Chajim ein mit modernsten Maschinen ausgestatteter Steinbruch geschaffen worden, der sowohl Baustein, als Schotter, Kies und Sand für den Straßenbau liefern kann. Es ist eine der konstruktiven Aufgaben, vor denen der Jischuw steht, diesen Steinbruch wieder in 141