Mannheim
Compact Memory

Der junge Jude · 1929-11-01 · Heft 4-5 (November 1929) · page 46

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der junge Jude
Volume
2 (1929-1930)
Issue
Heft 4-5 (November 1929)
Date
1929-11-01
Page
– (sequence 46)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3497353-3497361-3497365--398-3497938
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

umringt und man begann zu schreien „ein Jude ist er", „nein, er ist ein Araber!" Mittlerweile wurden seine Taschen geleert und als sie ihn schließlich doch überfallen wollten, sprang der arabische Chauffeur von seinem Sitz, bot den Angreifern die Brust und schrie ihnen zu: „Nur über meine Leiche könnt Ihr zu ihm". Bald darauf hörte man Schüsse und die Angreifer flüchteten; sie waren gerettet. Die Fellachen vom Dorfe Schun e m (bei Merchavja) erzählen mit Stolz ihren Nachbarn in Merchavja, daß sie an den Unruhen sich nicht beteiligt haben. Aus Dschennin hatten sich die Araber mit der Forde_ rung an sie gewandt, die jüdischen Siedlungen im Emek zu überfallen. Doch sie antworteten, daß sie tagtäglich freundschaftlich mit den jüdischen Wirtschaften zu tun hätten; wie könnten sie jetzt ihre Hand gegen sie erheben? Die Siedlung K ir j a th Anav i m (bei Jerusalem) erzählt aus den Tagen der Ereignisse: Rings um die Kolonie auf den Bergen kamen und gingen Haufen von Arabern, zum Teil aus den umliegenden Dörfern, zum Teil Beduinen aus der Ferne, zum Teil Araber aus der Umgebung von Hebron, die die Absicht hatten, die Siedlung zu überfallen. Doch der Muchtar (Ortsvorsteher) des Dorfes Abu Gusch und seine Leute hielten die Menge fortwährend zurück und sagten ihnen: „Wenn einer von Euch es wagt, die Juden zu überfallen, so werden wir ihn erschießen. Wir werden zusammen mit den Juden gegen euch kämpfen. Die Juden sind unsere Nachbarn und wir werden sie beschützen." Die angriffslustigen Araber beschuldigten den Muchtar, er sei von den Juden bestochen worden; doch trotz jdieser Beschuldigung hielten sie an ihrer Haltung fest und nicht genug damit, sie sandten Warnungen an die umliegenden Dörfer Bejth Ne- ^:uba und Katona, sich von den Unruhen fernzuhalten. . Von großer Hilfe war. auch Abuiriüs, der Bruder des arabischen Rechtsanwalts gleichen Namens, der sich in der Nähe von Abu Gush eii^ Haus gebaut hatte, uns oft zur Gartenarbeit bestellt, und sich mit uns beraten hatte. Er hielt während der ganzen Zeit die Verbindung mit den Behörden in Jerusalem aufrechit, berichtete dorthin alles, was bei uns vorging und bemühte sich auf die Araber zu wirken und sie von einem Ueberfall abzuhalten. Nach den Ereignissen kamen wir nach Abu Gusch, um uns über die Stimmung unserer Nachbarn zu informieren; da sagten uns unsere Freunde: „Die Räuber sahen nur das Heute vor sich; wir aber dachten, was der morgige Tag bringen muß. Gut, wir werden heute zerstören und plündern. Was aber wird dann geschehen? Gibt es denn kein Recht und keinen Richter?" * Die arabischen Nachbarn von Ness Ziona haben sich ebenfalls nicht an der Aufhetzung und an den Unruhen beteiligt. Als am 26. August eine arabische Menge von einigen Arabern aufgehetzt wurden und bereit waren, über die Kolonie herzufallen, eilten die Brüder Schukri und Abdul Rachmann Bick (Mitiglieder des Obersten Moslimischen Rates) herbei, bewiesen der Menge die Unwahrheit der aufhetzerischen Verleumdungen, widerlegten die Behauptungen und beruhigten die Men^re. Die Juden von Migdal Eder, einer jungen jüdischen Niederlassung auf dem Wege nach Hebron, berichteten mit Dank von der freundlichen Haltung der Araber vom Dorfe Bejth Umar, die ihr Leben gerettet haben. Viele Tage lang verteidigten die Araber des Dorfes die 7 jüdischen Seelen, die zu ihnen geflüchtet waren, vor den An>- greifern, versorgten sie mit Essen, bis sie schließlich durch die Polizei in das Regierungsgebäude nach Hebron überführt werden konnten. Besonders schön benahm sich der Scheich des Dorfes Muchmed el Achmed Brarit. Die Verkaufsstelle für landwirtschaftliche Produkte des Jischuw in Jerusalem beschloß, die Prodiikie dieses arabischen Dorfes ganz und srar in Verkauf zu übernehmen. 140

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.