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Der junge Jude · 1929-11-01 · Heft 4-5 (November 1929) · page 45

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Journal
Der junge Jude
Volume
2 (1929-1930)
Issue
Heft 4-5 (November 1929)
Date
1929-11-01
Page
– (sequence 45)
Language
German
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Unseren gestorbenen Chawerim ALICE FASS und KARL STEIN An anderer Stelle erzählt in diesen Blättern Fritz Noack aus der Geschichte des Jungjüdischen Wanderbundes, er erzählt die Entwicklung der Ideenigänge dieses Bundes. Daneben läuft aber noch eine Geschichte der Menschen unseres Bundes. Darin leben diejenigen unserer Menschen am tiefsten, die ihr Leben noch in der Gemeinschaft des Bundes beendet haben: Alice Faß und Karl S t e i n. Alice Faß, die 'zwanzigjährig kurz nach den Unruhen an einer tückischen Krankheit in Erez Israel gestorben ist, war eine der wenigen Führerinnen unseres Bundes. Sie war jung und froh, aber von unerbittlicher Strenge gegen sich selbst und gegen andere. Fast könnte es scheinen, daß ihr Wille zur Unbedingtheit den Rahmen ihres eigenen Lebens gesprengt hat. Karl Stein war einer der Gründer unseres Bundes, einer der durch selbständiges Denken den Grund zu den Anschauungen des JJWB gelegt hat. Obgleich er durch langjährige Krankheit am stärksten auf sich gestellt sein müßte, war er durch Denken und Lehren dem Zentrum des Bundes stets am nächsten. Er hat das Eigentümliche gekonnt, trotz Krankheit sein ganzes Leben der Idee zu leben, von dem Beginn seiner Hachscharah an, über seinen Aufenthalt in Erez Israel bis zu seiner letzten Reise in den Süden. Wir wollen das Wissen um das Leben dieser beiden ganz dem Bunde gehörenden Chawerim als ein kostbares Vermächtnis bewahren. PALASTINA-UMSCHAU (Abgeschlossen am 9. Oktober.) Die Haltung der Regierung. — Die Selbstverteidigung. Die Haltung der Regierung, soweit sie in der Beurteilung der während der Unruhen begangenen Untaten zum Ausdruck kommt, hat sich in den letzten Wochen zum Besseren gewendet. Die Gerichte beurteilen die Delikte als das, was sie sind, als Ueberfälle, Mord und Plünderungen, begangen an friedlichen Menschen. Vor allem macht sich bis zu einem gewissen Gnade eine Aenderung zum Guten in der Auffassung der jüdischen Selbstverteidigung bemerkbar. Der Haifaer Richter Litt brachte die scharfe Trennung zwischen Selbstverteidigung und Angriff zur Geltung. „Davar" fordert von der Regierung die Legalisierung der jüdischen Selbstverteidigung in dem Maße, wie es nach den Ereignissen von 1921 geschah. Die Erfahrung der Jahre seither habe klar gezeigt, daß der jüdische Jischuw das Recht auf Selbstverteidigung habe. In all diesen Jahren gab es keinen einzigen Fall des Mißbrauches diese» Rechtes, nicht einen einzigen Fall, daß etwa ein Jude einen Araber überfallen hätte oder daß ein jüdisches Dorf ein arabisches zu überfallen trachtete. Es geschah nicht und wird auch niemals geschehen. Lichtblicke in der Finsterniß. Aus der Fülle der tröstlichen Beispiele von arabischer Verteidigung jüdischen Lebens bringen wir die folgenden: Abraham Cohn, ein im Lande g% borener Uhrmacher, lebte seit mehr als zwei Jahren inNazareth, sprach und verstand fließend arabisch und hatte sich in Naaareth viele Freunde erworben. Einige seiner besten Freunde kamen in der Woche der Ereignisse zu ihm und warnten ihn, er möge doch flüchten* man würde ihn sonst töten. Schließlich am 29. August setzte er sich einen Tarbusch (die arabische Kopfbedeckung) auf und flüchtete in einem Auto nach Saffed. Dort langte er unmittelbar beim Ausbruch d$r Unruhen an. Sofort war sein Auto 139

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