Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 2 (1929-1930)
- Issue
- Heft 4-5 (November 1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- – (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
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unseren Kreis am meisten angehen, (asiatische Politik, II. und III. Internationale, England-Rußland u. s. w.). Trotzdem harrte ein großer Teil der Chawerim bis zum Schluß des etwa dreistündigen Referates aus, sicher ein Beweis wirklichen Interesses. Die Arbeitsgemeinschaft von Chawer Steinberg beschäftigte sich mit einer Frage, die ein besonderes Interesse für den Bund haben muß, wenn er wirklich daran denkt, aus seiner Isoliertheit herauszutreten und eich mit nichtzionistischen Kreisen auseinanderzusetzen, nämlich mit dör Tatsache, daß eine einfache Galuthvereinigning angesichts der tatsächlichen Lage der Juden in der Welt eine Unmöglichkeit ist. Die Erkenntnisse gerade dieses Referats werden sich wahrscheinlich erst dann völlig auswirken, wenn sie einmal gedruckt vorliegen. Bs muß aber schon heute gesagt werden, daß sowohl der Junge Jude als auch die Erziehung in unserem Bunde vorläufig gerade in der Hineinstellung des Zionismus als unseres Zentralerlebnisses in die jüdische Welt einen Grundfehler begeht, indem wir den Eigenwert der Golah, die „nicht nur Material für Palästina sein soll", nach dem Vorbild des deutschen bürgerlichen Zionismus ganz falsch einschätzen. An dieses Referat schloß sich eine ziemlich lebhafte Diskussion an, 'die allerdings sich mehr um Einzelheiten, als um die sicher nicht allgemein anerkannten Hauptthesen des Referenten drehte. Die Arbeitsgemeinschaft von Georg Lubinski am Nachmittag dieses Tages behandelte die Begründung des Zionismus, d. i. unseres Zionismus. Lubinski 3nachte den Versuch, den häufig nach seiner Meinung zu stark gefühlsmäßig begründeten Zionismus unserer Chawerim auch verstandesmäßig in der Auseinandersetzung mit einem gedachten Gegner zu begründen. Gleichzeitig fanden zwei andere Arbeitsgemeinschaften von Rudi Nobel und Julie Thaler für die Jüngeren statt, die von Rudi Nobel über „Das jüdische Volk und sein Boden,, im Ausstellungsraum des Keren-Kajemeth.*) Es bleibt jetzt über das große Bundestagsreferat von Möschen Brachmann und die daran anschließende Generaldebatte des letzten Tages, also des 6. August, zu berichten. Es ist wohl allgemein bedauert worden, daß diese einzige Gelegenheit, im Laufe des Jahres zu einer richtigen Aussprache über die Lebensfragen des Bundes zu kommen, durch die ganze Anlage des Bundestages auf den letzten Nachmittag zusammengedrängt wurde. Es ist aber dabei zugunsten der Bundesleitung anzuführen, daß sie gehofft ihatte, durch eine frühere Einberufung des Bundesrates, der auch während des Bundestages noch einmal zusammentrat, diese Debatte abkürzen zu können. Leider bat sieb diese Hoffnung als irrig erwiesen, und so konnte es denn geschehen, daß man,, als man auseinanderging, einige sehr wichtige Fragen nicht zu entscheiden vermochte. Das Referat Möschen Brachmanns behandelte in der Hauptsache die Probleme, deren Erörterung wir an den Anfang unseres Berichts gestellt haben. Moscheh Brachmann betonte vor allem die Notwendigkeit und die Verpflichtung für den Bund, einen Vorstoß zu machen und sich ku diesem Zweck erst einmal dadurch vorzubereiten, daß man in jeder Weise werbefähig zu werden versuchte. Er verwies auf die Ge- *) Es gab eine sehr schöne Ausstellung des Keren Kajemeth im Vorraum des Mittleren-Lagers, die Schlomo Groß vom Bauhaus Dessau unter Mithilfe der Chawerim des Jüngeren-Lagers zustande brachte. Die ganze Ausschmückung des Raumes einschließlich der Beschriftung waren Hand- Scherenschnitte in Buntpapier. m