Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 2 (1929-1930)
- Issue
- Heft 4-5 (November 1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- – (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
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zwingt, die innere Lage des Bunde® die folgende: fast keine älteren Menschen mehr, eine große, sehr wertvolle, aber noch stark mit sich selbst beschäftigte Mittlerenschaft und verhältnismäßig wenig Jimgeren-Gruppen (wir verstehen dabei unter Mittleren 15—18jährige, Hinter Jüngeren 9—15jährige). Man reagierte auf diese Entdeckung <auf zweierlei Arten, die bis heute noch ein wenig nebeneinanderher bestehen, obwohl sie zweifellos zusammengefaßt werden können: durch die Parole der Propaganda und die der Erziehung oder, mit anderen Worten, der alte Gegensatz der extensiven oder der intensiven Methode. Propaganda ist das Losungswort der »alten Bundesleitung, die «ich natürlich nicht mit der Schöpfung eines neuen Schlagwortes begnügen konnte, sondern dem Bunde auch konkrete Vorschläge über seine Zukunft, wie sie es sich dachte, vermittelte. Es ist in diesem Zusammenhang leider unmöglich, mehr als die Endresultate recht gut fundierter, soziologischer Gedankengänge, wie sie vor allem Heini Schupler in seinem Referat über die Lage des Bundes im Mai vorgetragen hat, zu bringen: sie laufen, ausgehend von dem schon berühmten „soziologischen Fatalismus", daß unser Bund in der Hauptsache heute nur bestimmte, verarmte, kleinbürgerliche, ostjüdische Schichten in größerer Zahl erfasse und erfassen könne, darauf hinaus, daß der Bund aus dieser Erkenntnis »die praktischen Polgerungen ziehen und sich bestreben solle, ein „proletarischer Bund" zu werden. Bei diesen Gedankengängen ist es allerdings selbstverständliche Voraussetzung, daß uns die ökonomischen und gesellschaftlichen Vorgänge der deutschen Judenschaft in ihrer Gesetzmäßigkeit erkennbar seien und daß die Entwicklung dieses deutschen Judentums zu einer fortschreitenden Proletarisierung (zunächst ökonomisch, dann auch bewußt) großer, auch westjüdischer Kreise drängt, die uns zufallen würden, wenn wir nur die Zeichen der Zeit richtig zu deuten verstehen. Eine solche Propaganda sollte weiterhin vor allem großzügig sein. Der Bund, der bisher zahlenmäßig ständig zurückgegangen war, hat kurz vor dem Bundestag einige neue Ortsgruppen in Süddeutschland aufnehmen können, wo der J. J. W. B. bisher kaum vertreten war, auch im Eheinland wird man in kurzer Zeit Aehnliches erleben. Man möchte über die -alte Methode, einzelne Menschen zu keilen, hinaus zur Erfassung ganzer uns nalhe stehender Kreise und Schichten gelangen. Die „Konjunktur" ist günstig, man wird zweifellos, in dem man sich ausdehnt, allein schon durch die Tatsache der Ausdehnung neue Kräfte gewiinnen und einige davon .werden sich später sicher erhalten lassen. Hinter dieser Ideologie der Werbetrommel steht ohne Zweifel das Menschenbedürfnis Palästinas. Die palästinensische Arbeiterschaft kann und darf von uns fordern, daß wir jederzeit Menschen, hmsere Cbawerim, in die Hachscharah in so großer Zahl schicken, daß eine ständige Alijah des deutschen Hechaluz durch uns getragen wird. Die Vorschläge der Palästinenser, die unsere schwierige Lage durchaus verstehen, sind nur teilweise für uns verwendbar. Wir können vielleicht die fachliche Hachscharah abkürzen, die geistige, kulturelle läßt sich keinesfalls verkürzen. Hier münden die Bestrebungen einer heute noch nicht allzu asahlreiehen Gruppe in die Generallinie des Bundes ein. Wenn die gesamte Erziehungsarbeit des Bundes, — so sind in Kürze ihre Ge~ 134