Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 2 (1929-1930)
- Issue
- Heft 4-5 (November 1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- – (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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BUNDESTAG DES 3. 3. W. B. . . .1 ' Dieser Berieht wurde vor den Tilf * eignissen in Palästina geschriebeall Einige unter uns erinnern sieh noch an den Stil ehemalige? Bläuweiß-Bundestage. Es war damit wie mit den neumodischen Kaketenfahrzeugen: Ein Knall, eine Explosion, eine Sensation, — und dann schoß der Bund verhältnismäßig kurze Zeit mit großer Fahrt durch unsere bewegte Zeit dahin. Ein wenig blind für diö gegebenen Keälitäten, und doch niemals das Gleichgewicht verlierend und den Kurs haltend, weil man sich nicht ins Ungewisse vorwagte, sondern stets im Binnensee der altvertrauten bürgerlichen Ordnung, blieb. Man kann (mit großer Besorgnis) feststellen, daß der J. J. W. B. sich in einer genau entgegengesetzten Lage befindet. Wir sind, häufig in Gefahr die Orientierung zu verlieren, und das* obwohl unser Ziel bestimmt ist und auch der Kurs klar sein sollte. Man strebt, scheint es, auch nicht ungestraft aus dem Milieu, in das man hineingeboren ist, hinaus; wenn die Küsten versinken, braucht man ein wirklich seetüchtiges Schiff und keine Nuß-Schale: Es wäre möglich, dieses Gleichnis weiter auszuführen, aber wii* ziehen es vor, statt in Bildern zu reden, die Dinge bei ihrem wirklichen Namen zu nennen. Es fehlen uns ältere Menschen, die führen könnten, es fehlt uns — bei der verhältnismäßigen Kleinheit und Enge des Bundes — der Eückhalt einer mit uns sympathiesierendeix, uns stützenden Gesellschaft, es fehlt uns eine Methodik der Erziehung unserer Menschen, um nur einige Mängel zu nennen. Ja, wenii wir auf ein bestimmtes Ziel, unser sozialistisch-zionistisches Ziel, lossteuern, so scheint uns dies vielleicht nur darum eindeutig bestimmt zu sein, weil wir es noch nicht erreicht haben, weil wir uns noch auf der Fahrt dorthin befinden. Alle diese Fragen hätte der diesjährige Bundestag behandeln messen, aber er hat kaum mehr getan als auf die Existenz dieser gefährlichen Probleme hinzuweisen. Unseren unentwegten Optimisten genügt es nämlich, daß die Lebensbedingungen des Bundes durch den Beginn einer neuen Alijah wieder bessere geworden sind — man spricht von 3000 neuen Zertifikaten, — um alle Bedenklichkeiten abzuschütteln. Allerdings, die Möglichkeit der Alijah ist stets die Voraussetzung dafür gewesen, daß es dem Bund gut ging, aber noch niemals war die Gesamtverfassung des Bundes im Augenblick dieses rettenden Ereignisses auch eine so schlechte wie jetzt. Wir sind uns heute alle darüber einig, daß es einer unserer schwersten Fehler gewesen ist, die Frage der Chaluzim-Nichtchaluzim zu einer prinzipiellen zu machen, um die jahrelang gekämpft worden ist. Selbst die Befürworter eines reinen Chaluzbundes sagen heute, daß nur die Furcht vor einer Ve rwässer ung der Idee zur Zeit der andauernden Alijahsperre sie dazu bewogen hat, diese Forderung überhaupt zu erheben. Sehr eigenartig ist es, wie im Verlauf des vergangenen Jahres der Umschwung kam: man entdeckte plötzlich, daß, während man sich noch darum stritt, .die Diskussion gegenstandslos geworden war: die Aelteren hatten still und teilweise sogar unvermerkt deä Bund verlassen, . So war in dem Augenblick, als die neue Alijaih einsetzte, die den Öiiud ungefähr 50—60 Menschen halbjährlich nach Erez abzugeben 133