Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 2 (1929-1930)
- Issue
- Heft 4-5 (November 1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- – (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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den Brüh Haojim die unter inneren Kämpfen durchgesetzt wüorde. Ber Bundestag auf dem Meissner (1925) war der erste Bundestag nach der Vereinigung; hier wurde die weltanschauliche Haltung zum ersten Male als geklärt empfunden, und in diesem Sinne stellt dieser Bundestag den Höhepunkt der Bundesentwicklung dar. Seitdem ist der J. J. W. B. der zionistisch-sozialistische Bund, der konsequent und unbeirrt seinen Weg verfolgte. Die Bundestage der letzten Jahre: Auleben (1926), Voel (1927), Scharzfeld (1928), und Hameln (1929) hatten im wesentlichen die Aufgabe, neu hereinkommender Jugend die Ideale des Bundes bewußt zu machen, sich immer nieder gegenüber Verwischungen und Eadikalisierungen abzugrenzen und die innere Organisation zu festigen. Eine Aufgabe^allerdings hat der J. J. W. B. in den letzten Jahren : versäumt: nämlich die, seine Ideen der jüdischen Jugend in Deutschland zu bringen. Vielleicht war die Stunde dafür nicht günstig: Die sogenannte demokratische Eepublik hat sich ja inzwischen in Deutschland befestigt, das Bürgertum aller politischen Eichtungen (von der rechtesten bis zur linksten) hat sich eingerichtet und will Jtuhe haben, die Bewegungen sind inzwischen auf das Beste organisiert und von Stahlhelm bis Eotfront „fest in der Hand der Führer". Ideen sind geeignete Vortragsthemata bei literarischen Zirkeln geworden, die beherrschenden Mächte der Zivilisation sind die der Ungeistigkeit: Sport, Kino, Eadio und der höchste Götze, der Kapitalismus, das Geld, ist wieder anerkannt: — die Zeiten haben sich geändert und der Zionismus hat sich geändert und der Sozialismus «twa nicht? Aber vielleicht ist gerade jetzt die große Stunde der jüdischen 'Jugend gekommen. In Palästina ist unser Werk von außen bedroht; vielleicht noch schlimmer ist, daß dieses Werk des Fortschrittes von innen her bedroht wird. Mir scheint, es ist wieder die Zeit gekommen, da die jüdische Jugend dem Jüdischen Volk zurufen muß: Nicht für eine kapitalistische Kolonie in Palästina, in der das ganze Elend Europas herrscht, — mit glänzenden Palästen und Quartieren des Hungers, — sind unsere Brüder dort gefallen: Wir, die jüdische Jugend, wollen nicht, daß der Jude dort nur national befreit wird, aber wirtschaftlich und sozial Knecht bleibt: Wir wollen die ganze Freiheit und die kann nur kommen, wenn Zionismus und Sozialismus sich vereinigen, wenn der nationalbewußte Jude sich der Arbeiterklasse verbündet, wenn dort nicht die „Eentabilität", sondern die menschenwürdige Existenz Aller Gesetzgebung und Le- %ensordnung bestimmt Wir bejahen unsere nationale Existenz als Juden und verlangen unser nationales Lebensrecht; aber wir wollen nicht als Rückständige, sondern als die fortgeschrittenste Nation unser Leben aufbauen. Der Fortschritt aber liegt, — daß wissen wir, und das hat die Menschheit seit jeher gewußt — in der Verwirklichung der schon lange aufgestellten Ideen der sozialen Gleichheit und der nationalen Friedfertigkeit. Mit diesem, seinem Programm, sollte der J. J. W. B. jetzt vor die ^ganze jüdische Jugend in Deutschland treten und sie auffordern, gemeinsam mit ihm dafür zu kämpfen; denn dafür lohnt es sich, als f Jude zu leben — Wofür sonst? 132