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Der junge Jude · 1929-11-01 · Heft 4-5 (November 1929) · page 36

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Journal
Der junge Jude
Volume
2 (1929-1930)
Issue
Heft 4-5 (November 1929)
Date
1929-11-01
Page
– (sequence 36)
Language
German
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DER 3UNGO0DISCHE WANDERBUND. ' (Eine historische Skizze). ',.,, Von Fritz Noaok, Gotha. Dot Jung-Jüdische Wanderbund ist in seinem Kern eine echte Jugendbewegung. Das heißt: er war immer Träger der lebendigen Ideen seiner Zeit, die er in einer Form vertrat, wie sie dem jugendlichen Menschen gemäß war. Immer von der Umwelt heftig kritisiert,, oft von ihr bekämpft, hat er doch — bisher — stets recht behalten* weil er sich in seinem Kern in Uebereinstimmung befand, mit dem Besten, daß seine Zeit bewegte. Seine Geschichte ist der Beweis dafür, daß eine schlecht organisierte, ungefestigte, bekämpfte, von Mitteln entblößte Jugendgemeinschaft, besseren Bestand hat, als eine glänzend organisierte, von allen Seiten begünstigte, über reiche Mittel verfügende — wenn sie ihr nur in dem einen Punkte überlegen ist, daß sie nämlich die Ideen zu vertreten hat, die — historisch gesehen — die Jugend der Zeit vertreten muß, weil sie den Weg der zukünftigen Entwicklung vorbereiten. Und wenn der Jung-Jüdische Wanderbund heute noch besteht, und sehr lebendig besteht, so ist das nicht ein Verdienst unserer Führer und ihrer organisatorischen Betätigung, sondern es ist einfach der Tatsache zu verdanken, daß er die beiden zentralen Ideen des jüdischen Menschen der Zukunft: Zionismus und Sozialismus, die nationale und soziale Befreiung der jüdischen Menschen und der Menschheit,, sich zu eigen gemacht hat. Diese Ideen hat sich der Bund von innen heraus ehrlich erkämpft. Er ist keineswegs zu ihrer Verbreitung gegründet worden*!Er ist überhaupt nicht „gegründet" worden, sondern er ist „entstanden." In den Jahren 1919/1920 war die Welt „etwas aus dem Gleichgewicht." Die Zivilisation des alten Europa, die zur Katastrophe des Weltkrieges geführt hatte, war zusammengebrochen. Ihre Ideen waren in Mißkredit geraten. Vor allem war in Deutschland das gesamte System der Monarchie, des Militarismus, des deutschen Imperialismus zertrümmert. Auch den Juden wurde langsam klar» daß ihr Kampf um die Ernennung zum Keserveoffizier nicht mehr ganz zeitgemäß war. Das neue System der kapitalistischen Republik, das jetzt in Deutschland herrscht, war noch nicht einmal erkennbar. Es war den Juden noch nicht möglieh geworden, statt an „Kaisers Geburlstag" oder am „Sedantag", bei der „Verfassungsfeier", den jeweiligen Staatsgedanken zu bejahen. Da war es leichter,, daß Juden den großen fortschrittlichen Ideen ihrer Zeit gerecht werden konnten. Und zugleich spielten Juden (siehe Eisner, Landauer, Toller, Mühsam und viele andere) in der sozialistischen Bewegung eine Rolle. Zionismus und Sozialismus schlugen große Wellen in der deutschen Judenheit; und sie zerschlugen sich nicht gegenseitig, sondern liefen zusammen. Auch der deutsche Zionismus war zum größten Teil sozialistisch. Zu dieser Zeit entstand der J. J. W. B. In den neutralen Jngendvereinen fanden sich in Wandergruppen Jugendliche zusammen, die an der Gestaltung des Neuen in der Welt mitarbeiten wollten. Ein Negatives beherrschte sie zunächst: Protest gegen die unwürdige Situation des Juden, des Städters* des Händlers, des innerlich Unfreien. Sie fanden sich — ähnlich der 150

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