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Der junge Jude · 1929-11-01 · Heft 4-5 (November 1929) · page 33

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Journal
Der junge Jude
Volume
2 (1929-1930)
Issue
Heft 4-5 (November 1929)
Date
1929-11-01
Page
– (sequence 33)
Language
German
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^üräiikte Kredite ein, um so Geldmittel für eine planmäßige Industriealisierimg Kußlands zu gewinnen. Gegen dieses Vorgehen wandte sich der rechte Flügel der Russischen Kommunistischen äBaftei, deren Führer Rykow ist und hinter dem Kleinbauern, ländliches Proletariat und ein Teil der vom Land in die Stadt gewanderten Arbeiter stehen. ' Kritik an der Außenpolitik Stalins and die Reaktion auf dessen wirtschaftspolitische Umstellung verursachten also die Neuorientierung des rechten Flügels und führten zu dem, was mit Nationalboißöhewismus bezeichnet wird. Aus der aufgezeigten Sachlage ist aber nicht die antisemitische Färbung einer Anzahl Angehöriger des föchten Flügels ableitbar. Denn unrichtig ist die oft vertretene Ansicht, Antisemitismus sei eine Begleit- oder zum mindesten Folgeerscheinung jedes Nationalismus (gemeint ist natürlich jeder nichtjüdische Nationalismus). Wie leicht an einer Fülle von historischem Material und Beispielen aus der Gegenwart gezeigt werden kann, taucht Antisemitismus weder spontan mit Nationalismus auf, noch ist er dessen notwendige Folgeerscheinung. Wohl ist es so, daß Nationalismus eine konstitutive Komponente für eine sozio-psychische Grundlage abgeben kann, auf der Geburt und Entwicklung des Antisemitismus möglich wird. Wie aber ist die antisemitische Färbung bestimmter Kreise der national-bolscheAvistischen Oppositionsminderheit zu erklären? Es soll noch einmal betont werden, daß nicht alle nationalistischen Bolschewiken auch Antisemiten sind. Der Führer der Reöhtsopposition, Rykow, ist nicht judenfeindlich eingestellt. Ebenso können die inzwischen durch Stalin von ihren Funktionärposten enthobenen Führer Tomski und Bucharin nicht mit der antisemitischen Strömung in Verbindung gebracht werden. Im rechten Flügel, der selbst eine schwache Oppositionsminderheit in der Russischen Kommunistischen Partei darstellt, wird also nur von einem Teil seiner Gefolgschaft Antisemitismus als Lösung und Schuldverschreibung ausgegeben. Dabei handelt es sich nur um solche Anhänger, in denen noch Reste der anerzogenen antisemitischen Mentalität latent vorhanden waren und die sich seit einem halben Jahre zu einem antisemitischen Gruppenbewußtsein entwickelt haben. l' ■ " Es ist also die Rede von der Geburtsstunde des Neuantisemitismus als politischer Ausdruck einer Gesinnung und eines Willens. Das Entscheidende ist: Träger dieser Mentalität ist eine Gruppe oder besser eine Richtung innerhalb des rechten Flügels der Russischen Kommunistischen Partei. Es handelt sieh also nicht um die zumeist politisch harmlose Gesinnung und Haltung einzelner Menschen, sondern um eine politische Einstellung, die als solche wirksam ist und darum das Interesse der russischen Regierung beansprucht. Wichtig für das Verständnis dieses Neuantisemitismus ist noch der Versuch seiner „geistigen Fundierung". An dieser ist zu erkennen, daß sich vor das Gefühl einer Benachteiligung scheinbar sachliche Argumente und politisch-taktische Erfindungen geschoben haben, die, wie ich es schon vorher nannte, Schuldverschreibung und Patentlösung einer als unbefriedigend empfundenen Gegenwartslage Öarstellen. Die antisemitische Richtung im rechten Flügel der Russischen Kommunistischen Partei rekrutiert sich, wie die gesamte rechte Oppositionsminderheit überhaupt, aus den Vertretern des 127

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