Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 2 (1929-1930)
- Issue
- Heft 4-5 (November 1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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gepaßt der sozialen Lage, anzustreben. In der sozialistischen Jugend muß man die großen Kerntruppen herausarbeiten, denn wenn der Sozialismus so kommt, daß ein Volk nur durch eine dünne Schicht geführt werden wird, so würde das bedeuten, daß das jüdische Volle für den Sozialismus gar nicht erzogen ist, und daß es diktatorisch in neue Formen „geschleppt" werden soll. Das wtürde von Anfang an der diktatorischen Minderheit nicht die Fähigkeit gelben, alle Säfte des Volkes aufzusaugen, volkstark zu sein. Es gibt etwas im jüdischen Geiste, daß die Juden zum Sozialismus prädestiniert. Der Sozialismus wird nicht nur durch ökonomische Tatsachen allein bewirkt; es muß vielmehr im Volke etwas Geistiges vorhanden sein, damit es durch die ökonomische Tatsachen gezwungen wird, sozialistisch zu sein. Die ökonomischen Tatsachen sind überall vorhanden, es muß noch etwas hinzutreten, das erst revolutionär macht. Es wäre ein „verlumpter" Sozialismus, der nicht an die Millionen von jüdischen Lumpenproletariern und Lumpenbourgeois herantreten könnte. Diese Millionenschichten tragen etwas in sich, daß sie anfnahmefähig macht für den Sozialismus: Heroismus, Protestgefühl und Gerechtigkeitssinn, usw. Dieses Volk hat das alles in Jahrtausenden genügend aufgespeichert. Wenn seine jahrtausend alte Pein auch nicht das klassische proletarische Los ist, so ist es doch die Leidenschaft zur Bebellion, die in diesem Volke stetig wach geblieben ist. Selbstverständlich werden die jüdischen proletarischen Schichten die Führenden sein, sie stehen ja schon mehr als 30 Jahre im Kampfe, doch nicht so führend, daß sie alle andern Schichten diktatorisch beherrschen, sondern im Sinne der geistigen Hegemonie, daß man den Weg zuerst betreten hat, daß man Erfahrungen, Heroismus gesammelt hat. Aus den Betrachtungen am Anfang folgt, daß der jüdische Sozialismus nicht geographisch »beschränkt sein darf. Der jüdische Sozialismus ist allweltlich, international im doppelten Sinne: in dem Sinne, daß er nur ein Glied ist des Landes, in dem er sich entwickelt, andererseits in dem Sinne, daß er internationale Aufgaben hat, im Rahmen des eigenen Sozialismus. Die Verbundenheit der jüdischen Sozialisten der Welt ist eine innere wichtige Frage; denn die Juden der ganzen Welt, stehen vor ungefähr denselben Aufgaben. Dieselben Probleme stehen sowohl in Polen, Eumänien, Litauen, Eußland, Amerika, als auch in Deutschland zur Diskussion. Es ist heute den werktätigen Massen in Polen nicht nur wissensmäßig interessant zu erfahren, wie es den Juden in Eußland geiht, sondern es ist für sie eine wichtige Lebensfrage. Die Juden in allen Ländern erfahren ein gemeinsames Schicksal. Wir sprechen nicht nur von dem Prozeß der Wanderung; ein Teil der Judenheit geht nach Südamerika, ein Teil nach Palästina, ein Teil schlägt sich nach Nordamerika durch. Ein Prozeß der Wanderung, ein ganzes Volk, das vor gleichen Aufgaben steht. Innerliche Internationalität des Volkes als Gegenstück zur äußerlichen Intemationaiität, was niemals etwa bedeutet, daß der Zusammenhang mit dem internationalen Proletariat abgebrochen werden soll. Innerhalb des jüdischen Volkes existieren zwei Linien, die gegen diese Eichtling kämpfen. Die bundistische und die poale-zionistische. Die bundistische sagt, es gibt kein einheitliches jüdisches Arbeitervolk, sondern nur solche proletarische Juden, die verbunden sind mit dem Volk, in dem sie wohnen. Sie 'wollen nicht einen nationalen, sondern nur einen Klassenzusammen- 121