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Der junge Jude · 1929-11-01 · Heft 4-5 (November 1929) · page 26

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Journal
Der junge Jude
Volume
2 (1929-1930)
Issue
Heft 4-5 (November 1929)
Date
1929-11-01
Page
– (sequence 26)
Language
German
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fler Regierung, dazu um eine große Zahl der Arbeitgeber zu Arbeitnehmern herabsinken zu lassen. Zwischen diesen Schichten herrscht eine soziale und geistige Verbundenheit. Der Arbeiter selbst wird verbürgerlicht, der Arbeitgeber selbst wird proletarisiert. Das ist ein Doppelprozeß. Der Arbeitgeber steht an der Grenze. Diese Bourgeois sind ebenso Lumpenbourgeoas, wie der Proletarier oft zum Lumpenburgeois herabsinkt. Das (bedeutet zweierlei: 1. daß eine Proletarisierungstendenz nicht besteht. 2. daß, wenn man den jüdischen Sozialismus nur proletarisch gestalten wollte, der jüdische Sozialismus gar keine Zukunftsmöglichkeiten hätte. Denn es gibt zwar geistige Schichten, die hochsozialistisch entwickelt sind, aber das ist nur eine verschwindende Minderheit. Das gesamte jüdische Volk müßte von der kleinen Schicht der proletarischem Arbeiter geführt werden, und das nennen wir diktatorischen Sozialismus. In allen großen Manifestationen des Sozialismus ist immer die Idee verfochten worden, daß der Sozialismus durch die grofßeMehrheit des Volkes betrieben werde. Das ist uns auch bei nichtjüdischenVölkern klar. Daraus folgt also, daß der jüdische Sozialismus ein Sozialismus der werktätigen Klassen sein muß. Das stellt uns vor besonders große Aufgaben: Der Unterschied zwischen dem proletarischen und werktätigen Sozialismus besteht nicht nur in den Trägern, sondern auch in den Aufgaben. In Deutschland hat man eine Linie der sozialistischen Richtung, aber in Eußland beispielsweise hat man schon eine andere. Beim jüdischen Volke, wo die Arbeitenden nicht in proletarischen Betrieben konzentriert sind, müssen die Beziehungen zu den Massen, ganz andere sein. Darum ist es kein Zufall, daß eine Bewegung wie der Zionismus beim jüdischen Volke entstanden ist Man muß also die Jugend ganz anders erziehen, andere pädagogische und propagandistische Wege suchen. Wenn die jüdische Jugend in Polen heute nach Arbeit sucht, nirgendhin auswandern kann, so überläßt man sie ihrem Schicksal, sie verbürgerlicht oder man sucht sie für den Sozialismus zu gewinnen. Es ist charakteristisch, daß die jüdischen Massen in Polen, ebenso in andern Ländern, selbst nach neuen Möglichkeiten der Arbeit und des Lebens suchen. Kann es Aufgabe des Sozialismus ein, nur die ganz dünne Schicht der proletarisch Durchgebildeten zu erfassen und die andern bei Seite zu lassen? Gewiß, die letz'te Lösung der sozialistischen Probleme liegt nicht im kapitalistischen Zeitalter, sondern in deT Zeit nach der sozialistischen Revolution. Man stößt immer wieder auf die Ansicht, im Rahmen der heutigen Ordnung könne man nichts machen. Aber es darf weder die konstruktive Arbeit, im tRahmen dieses heutigen Regimes vernachläßigt werden, noch darf man versäumen, die werktätigen Massen für die Zerstörungsarbeit der Revolution zu organisieren. Der „Bund" hält in seinen Reihen ,Zehntausende organisiert. Und dennoch fühlen die Angehörigen des „Bundes" nicht mehr, daß auf ihren Schultern das Schicksal des ganzen Volkes lastet. Es war notwendig, daß auch der „Bund" eine neue Richtung einschlug. So sucht auch er die Handwerker zu orgaiiisieren* sie auch für den Sozialismus zu gewinnen. So muß sich also um?die rote Fahne das ganze werktätige Volk scharen. Um diese rote Ifahne können verschiedene Gemeinschaften der Werktätigen bestellen. Das große Beispiel der russischen Revolution, wo das Proletariat auch in der Minderheit war, aber mit dem werktätigen Bauerntum zusammenkämpfte, besagt, daß es möglich ist, dieselbe Idee, an- 120

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