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Der junge Jude · 1929-11-01 · Heft 4-5 (November 1929) · page 25

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Journal
Der junge Jude
Volume
2 (1929-1930)
Issue
Heft 4-5 (November 1929)
Date
1929-11-01
Page
– (sequence 25)
Language
German
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ström aufgehört, aber die Juden haben den Weg ins Handwerk nii cht mehr zurückgefunden. Die großen SchneiderindüstrieÄ waren auch schon durch die Neger z. B. sehr stark besetzt. Im Kriege hatte man nämlich die billigen Arbeitskräfte, die Neger sowie auch Italiener massenweise nach den Nordstaaten gelockt. Es beganA auch ein großer Kationalisierungsprozeß, sodaß heute in der Schnei* derindustrie eine gewaltige Krisis herrseht. 1 Ein großer Teil der jüdischen Arbeiterschaft hat sich also zör rückgebildet. Juden waren auch im kleinen Handelsgewerbe beschaff tigt. Da bildete sich aber ein großer Trust für den Kettenhandel, de|r den Kleinhandel allmählich in seine Hand nimmt. Es besteht z. B. eine Gesellschaft, die Atlantic-Pazific, die die jüdischen Händler aus ihren Berufen hinausdrängt. Die Juden suchen auch für ihre Kinder bessere soziale Stellungen und lassen sie zu den liberalen Berufen heranbilden. Das beganti. wie eine gewaltige elementare Bewegung und heute ist in New Yorifc von den 3 Universitäten die größte zu % von Juden besetzt, sodaJS jährlich mindestens 1000 junge jüdische Menschen „fertig" werderi, um sich den liberalen Berufen zuwenden. Aber diese Entwicklung: zu den liberalen Berufen führt zu einer Erscheinung, die das jüdische Volk auch in den anderen Ländern erfährt; zur Entstehung des Antisemitismus. In den liberalen Berufen hat eine Bewegung zur Herausdrängung der Juden aus diesen Berufen eingesetzt, die zwar noch in den Anfängen steckt, aber mit großer Energie sich durchzu1setzen sucht. Die jüdische Masse muß heute auch in Amerika sieh nach anderen Wegen umsehen: Man hat festgestellt, daß ein großer Teil der Chaufferstelien von Juden besetzt sind. Die Chaufferarbeit ist nicht ganz zur Industriearbeit zu rechnen, sie ist halb körperliche, halb geistige Arbeit. Ein Teil der jüdischen Bevölkerung ist Ii* die Bauarbeit eingetreten. Ein ganz kleiner Teil wandert aus den Städten aus und geht in die Landwirtschaft. 110.000 sind schoai jetzt dort beschäftigt, als Eigentümer oder als landwirtschaftliche Arbeiter. Es gibt eine organisierte Bewegung, die die Juden auf die landwirtschaftlichen Siedlungen aufmerksam macht. Eine wichtige Konsequenz der obigen Darstellung ist folgende: Der jüdische Sozialismus kann keineswegs ein rein pr öl et arischer sein. Er ist ein Sozialismus der werktätigen Klassen. Wir haben gesehen, was für einen verschwindenden Prozentsatz in diesen großen Ländern die richtigen Proletarier unter den Juden ausma^ chen: In Polen ist mehr als die Hälfte (60%) der Bevölkerung überhaupt nicht produktiv tätig und unter den restlichen 40 % muß man hundertmal nachprüfen, ob man es mit proletarischer Bevölkerung, im eigentlichen Sinne des Wortes, zu tun hat. Ebenso steht es heute in Eußland. Dort gibt es 10% Arbeiter, 9% Angestellte, 3% Erdai> arbeiter; also höchstens 18—20% sind zu den Arbeitern zu rechnen. Die ganze Bevölkerung setzt sich also zusammen aus: 20 % Arbeitern, 21% selbständigen Handwerkern, 25% Krämern und Marktjuden, 25% Luftmenschen (Nissini-Juden). Man könnte sagen, die Lage würde sich einmal bessern, aber es ist nicht wahr, wenn man behaupten, eine größere Masse <der Juden würde sich proletarisieren. Als& nur ein ganz winziger Teil der werktätigen Judenheit ist proletarisch im Sinne des Industrieproletariats. Es herrscht auch kein wesentlicher Zwiespalt zwischen den kleinen Arbeitgebern und ihrea Arbeitnehmern. Es genügt z. B. in Polen irgend eine Maßnsahxäb 119

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