Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 2 (1929-1930)
- Issue
- Heft 4-5 (November 1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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Öen. Weiterhin muß der Handwerksmann die Möglichkeit frafoiM, sich-Kohmaterial zu kaufen; aber die Kegierung sucht die Rohmaterialien in ihren Händen zu konzentrieren. Der jüdische Handwerksmann in kleinen Städtchen kann heute also keine jüdische Jugend mehr beschäftigen. Zehntausen de jüdischer jugendliche^ Menschen wandern arbeitslos herum. Von den Handwerker^ ist der allergrößte Teil Miniaturhandwerker. Die Regierung hät zwar in den letzten Jahren eine Reihe von Schulen technischer Ä^t geschaffen, wo der jüdische junge Mensch eine Möglichkeit hat, eine 'Ausbildung zu erhalten: Aber nach der Ausbildung hat er keine Möglichkeit, unterzukommen. Sehlimmer noch steht es im Handel. In diese Gruppe gehöreji alle Schichten des Händlertums, angefangen vom großen Nep-Mann, der mit der Regierung und dem Auslande Geschäfte abschließt, bis zu allen möglichen Schichten kleiner und kleinster Händler. Der durchschnittliche Händler kann seine Arbeit nicht auf solider Grundlage aufbauen. Daran hindern ihn die hohen Steuern und sonstige Wirtschaftsbeschränkungen. Den größten Teil des Händlertums bilden die geheimen Vermittler, die keine Ware besitzen, die als Produktionsinstrumente nur ihre eigenen Augen haben, mit denen sie Handelsmöglichkeiten ausspekulieren. Wir sagten 36,5% sind ohne Beschäftigung. Wenn man einen Teil der zum Handwerk gerechneten, sowie mehr als die Hälfte der Händler zu dieser Kategorie der „Luftmenschen" hinzurechnet, so sieht man, daß mindestens 60% der jüdischen Bevölkerung in Sowjetrußland heute b o d e n-, b e s c h ä f t igungs- und arbeitslos ist. Auch in Rußland konstatiert man die tragische Tatsache, daß fast eine Million jüdische Mensehen „zu viel" sind. Daher kommen die vielen Ansiedlungsprojekte „in Sibirien, Biro-Bidscban usw. Wenn wir die Zahlen, mit denen Juden und andere Völker bei den einzelnen Erwerbsschichten vertreten sind, miteinander vergleichen, so erkennen wir die gewaltigen Unterschiede in der ökonomischen Situation der Juden und der andern Völker. Für sieben Länder (Polen, Ungarn, Rumänien, Tschechoslowakei, Lettland, Deutschland, Rußland) hat man errechnet, daß in der Landwirtschaft 8% Juden gegenüber 68% der Nicht juden in Handwerk und Industrie 32% der Juden, gegenüber 16% der Niclitjuden, im Handel 35% der Juden gegenüber 3% der Nicht juden. in den liberalen Berufen 6,5% der Juden gegenüber 3% der Nicht juden beschäftigt sind, und daß 15% der Juden, aber nur 7,5% der Nichtjuden beschäf tigungslos sind. Diese Zahlen sind nicht veraltet, sie gelten für Deutschland im Jahre 1907, Rußland 1927. Und nun zu Amerika. In den Vereinigten Staaten leben 4,200.000 Juden, davon 2,000.000 in New York allein. Noch vor dein Krieg war die Hälfte der jüdischen Bevölkerung in der Industrie beschäftigt. Das war ein großer Vorteil. Jedoch konnte man diese Bevölkerung nur halb-produktiv nennen, weil die Schneider den größten Teil davon ausmachten. Naöh dem Kriege hat sich etwas Merkwürdiges herausgebildet: Amerika hat im Kriege gut verdient, ebenso die Arbeiterschaft. Man konnte soviel verdienen, daß ein Teil d&r indischen Arbeiterschaft aus den Werkstätten herauskam und siöh •änderen Berufen zugewandt hat. Sie wandten sich Versicherungsgesellschaften und ähnlichem zu, dann begann die große Bautätigkeit; die Juden spielten auch hier die Vermittler. Bald hat dieser Züt- 118