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Der junge Jude · 1929-11-01 · Heft 4-5 (November 1929) · page 22

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Journal
Der junge Jude
Volume
2 (1929-1930)
Issue
Heft 4-5 (November 1929)
Date
1929-11-01
Page
– (sequence 22)
Language
German
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DIE ÖKONOMISCHE LAGE DER JUDEN UND DIE AUSSICHT DES JODISCHEN SOZIALISMUS. Niederschrift eines Keferates auf dem Bundestag des J. J. W. B. 1929. Von Dr. J. S t e i n b e r g. Die Frage, die wir behanden wollen, ist eine der schwierigsten Fragen des jüdischen Lebens. Die jüdische Welt ist eine ausgedehnte Welt; es gehören zu ihr mindestens vier Kontinente: Amerika (mit Südamerika), Sowjetrußland, Polen, Litauen und Kumänien, und als vierter Deutschland, Oesterreich und der Westen. Alle diese vier Kontinente haben einen besonderen Charakter. Zu ihnen kommt noch ein fünfter, Palästina. Wir müssen daher unser Thema begrenzen und sprechen darum nur von Polen, Sowjetrußland und Amerika. Wir müssen uns erst eine klare Vorstellung von der jüdischen Bevölkerung machen. Die Juden der Welt zählen 16—17 Millionen» In den aufgezählten 3 Kontinenten wohnen 10—14 Millionen, also % der jüdischen Welt. In der Wirtschaftsgliederung unterscheiden wir die folgenden Beruf steile: Zuerst die Landwirtschaft, wobei wir noch keine inneren sozialen Unterschiede machen. Der zweite Teil soll die Industrie, das Gewerbe und das Handwerk umfassen, der dritte Teil den Handel und die gewaltige Mengen von Vermittlern, Agenten, Hausierern usw., der vierte Teil die Schwarzarbeiter und die Dienerschaft, der fünfte Teil die liberalen Berufe samt Klerus und Beamtenschaft, der sechste Teil sehr interessante Berufe, nämlich die Luftmenschen, wirkliehe „geistige Arbeiter", die nur durch geistige Spekulationen sich ihr Brot verschaffen. Wir wenden uns zunächst Polen zu. In dem jüdischen Polen erkennen wir die Lage der Juden in der ganzen Welt, Nicht nur, weil Polen drei Millionen Juden faßt, sondern weil wir in Polen alle wirtschaftlichen Prozesse in der heutigen Judenheit erfassen können. Polen hat nach einer Kegierungszählung vom Jahre 1921 2 800.000 Juden. In der Landwirtschaft sind nur 160.000 (5%) beschäftigt, in Industrie, Gewerbe und Handwerk, sind 940.000 (34%) vertreten, (wozu sowohl Arbeitgeber als Arbeitnehmer gerechnet sind), im Hanflei etwa 1,230.000 145%), Dienerschaft und Schwarzarbeiter sind mit .64.000 (2V2%) vertreten, die liberalen Berufe mit 114.000 (4%) und äie Luftmenschen mit 250.000 (9%). Wenn man diese Zahlen überblickt, kann man ersehen, welcher Teil der Bevölkerung produktiv und welcher unproduktiv ist. Um sich eine genaue Vorstellung zu machen, wie das Handwerk aufgebaut ist, muß man eine kleine, wenn auch nur oberflächliche Analyse vornehmen: Die Gesellschaft „Joint" hat im Jahre 1921 eine solche Untersuchung durchgeführt; man hat Folgendes festgestellt,: Von 171.000 Personen in 34.000 Werkstätten sind nicht weniger als die Hälfte Lohnarbeiter, die andere Hälfte Arbeitgeber mit ihren Familienmitgliedern, die auch mitarbeiten. Also nur die Hälfte sind wirkliche Arbeiter. Von diesen 34.000 Fabriken und Werkstätten beschäftigen 16.000 (48%) überhaupt keine Lohnarbeiter, diese Werkstätten werden also von den Besitzern selbst betrieben. Wie sind die Arbeiter in den Unternehmungen verteilt? Es sind zum großen Teil Betriebe, in denen 1—2, höchstens 5 Lohnarbeiter 116

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