Mannheim
Compact Memory

Der junge Jude · 1929-11-01 · Heft 4-5 (November 1929) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der junge Jude
Volume
2 (1929-1930)
Issue
Heft 4-5 (November 1929)
Date
1929-11-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3497353-3497361-3497365--365-3497905
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Wirtschaft birgt in sich große Atbeitsmöglichkeiten und nicht minder große Gefahren. Er ist noch stärker als die Plantagen Wirtschaft der billigen Arbeit zugewandt. Hier werden wir erst recht die Arbeit zu erobern haben. Die Entwicklung der jüdischen Wirtschaft und Bevölkerung ^bedingte eine Erweiterung der Staatswirtschaft. Durch jüdische Steuern direkt und indirekt genährt, entfaltete die Regierung eine große öffentliche Bautätigkeit. Die Zahl der Arbeiter, die die Regierung in diesem «Tahre beschäftigen wird, übersteigt 5000. Diese Arbeiten werden ohne besondere Anstrengungen aus den laufenden Mitteln des Budgets und der Anleihe bestritten. Vor kurzer Zeit hat die Histadruth in wenigen Zahlen den Mangel des Landes an Arbeitskräften summiert; die Kolonien und die neuen Pflanzungen können noch 4500 jüdische Arbeiter beschäftigen, Regierungsarbeiten noch 2500. (50 Prozent der Gesamtkräfte.) Die nationalen Fonds 1000. Gewerbe, Industrie und bestehende Arbeitersiedlungen etc. 2000; zusammen 10.000 neue jüdische Arbeiter. Es ist grundwichtig zu verstehen, daß diese Zahlen keine zufällige Situation des palästinensischen Arbeitsmarktes darstellen. Sie sind ein leiser Anfang eines neuen Tempos in der Entwicklung der palästinensischen Wirtschaft. Dieser Aufschwung wurde durch die Stabilisierung der bestehenden Wirtschaft und durch die sich stets vergrößernde Verbundenheit des öffentlichen und privaten jüdischen Kapitals mit Palästina verursacht. Es bildet seinerseits eine Anziehungskraft zu einem noch größeren Zustrom jüdischen Kapitals, das breitere und sicherere Betätigungsfelder sucht, als es die palästinensische Wirtschaft bis in die letzten Jahre ihm gewähren konnte. Unsere Bewegung —die Ohaluzbewegung — hat mit dieser Entwicklung nicht Schritt gehalten. Lange Jahre beschränkter Alijah haben uns mit dem kleinen Maßstab unserer Arbeit versöhnt. Und obwohl wir theoretisch uns immer zu einer großen Volksalijah bekannten und die vorläufige Arbeit nur als eine Vorstufe betrachteten, haben wir uns unterdessen sehr gemütlich in das langsame Tempo eingeordnet; und als der Aufbruch der neuen Epoche kam, fand er uns vollkommen den jetzigen Aufgaben nicht gewachsen. Die vollkommene Unvorbereitung der Ohaluzbewegung droht den alten zionistischen Widerspruch zwischen Aufnahmemöglichkeit und Alijahbereitschaft in sein Gegenteil zu verwandeln. Die Gefahren und Niederlagen, denen er uns aussetzt, sind unermeßlich. ♦ Die jüngsten Ereignisse in Palästina haben die Diskrepanz zwischen dem beschleunigten Aufbautempo des Landes und dem Nichtsohritthalten der Alijahbewegung verschärft. Die zertrümmerten Kolonien müssen neu gebaut und vergrößert werden, die verstreuten jüdischen Bewohner der arabischen Viertel sind im Begriff, neue jüdische Stadtzentren zu schaffen. Die jüngsten Ereignisse in einem noch verstärktem Maße wie die des Jahres 1921 führen zu einer Konzentrierung nnd Verselbständigung der jüdischen Einwohnerschaft der Städte. Das Land befindet sich in Erwartung einer weitverzweigten Bauarbeit. — Die Kolonien haben ihre Tore den jüdischen Arbeitern entschiedener als irgendwann geöffnet. Wir sehen in ihnen verschiedene Zeichen der Befestigung der jüdischen Arbeit: Steigung der Löhne, Siclh-Anpassen an organisierte Arbeit. Es sind 10

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.