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Der junge Jude · 1929-11-01 · Heft 4-5 (November 1929) · page 11

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Journal
Der junge Jude
Volume
2 (1929-1930)
Issue
Heft 4-5 (November 1929)
Date
1929-11-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Volk warten» A chad Saarn, der vieles schärfer als seine Zeitgen>öß« ßen sab, schien sich doch vorzustellen, daß eine kleine und auser-; wählte Alijah genüge, um die Grundlagen zu sichern, die Palästina in das kulturelle Zentrum der Judenheit verwandeln würde. Eferzl war unruhiger und hörte besser auf die Mahnung der Zeit, aber auch er schien zu denken, daß man mit der eigentlichen Kolonisation UM auf die Gewährung des Charters warten könnte. T Der Aufbruch der Arbeiteralijah nach Herzls Tod bedeute^ einen Umschwung, den Umschwung der zionistischen Bewegung] Die Arbeiterschaft fühlte mit scharfem Sinn das Zeitgemäße und* das Zeitbeschränkte der Verwirklichung. War können nicht lange* warten. Palästina ist kein leeres Land. Es liegt im Zentrum eine» großen, zur neuen Benaissance aufwachenden Volkes. Es liegt im Mittelpunkt weltpolitischer Interessen. Es wartet unser nicht. Wenn} nicht wir, — werden andere das Land bauen, andere Arbeiter ein-j wandern. Auch das jüdische Volk kann nicht wairten. Der Zionismus ist ein Bedürfnis zeitgebundener Generationen. Der junge jüdische Mensch, der Europa in sich eingesogen hat, und doch durch es nicht, ganz aufgesogen werden konnte, fordert von Palästina eine Ant-j wort auf seine persönlichen Nöte. Wenn er diese Antwort nicht rechtzeitig bekommt, drängt er zu anderen Auswegen. Jede Epoche der mangelnden Verwirklichung des Zionismus ist eine Epoche des Verlustes ungeheurer Kräfte für das Volk, vielleicht der bebten1 Kräfte der Zeit. Die unermesslichen Kräfte jüdischer Jugend, die der Zionismus an die russische Revolution verloren hat, gingen ihm: letzten Endes durch das Zögern und die Geringfügigkeit des palä^ stinensischen Aufbaues verloren. Noch weniger kann der Jischuw wTarten. Es ist eine weltfremdef Utopie, in einer fremden, starken Umgebung eine Insel jüdische** Minderheit auf längere Zeit als ein selbständiges Gemeinwesen zuerhalten. Wenn wir zum Schluß eine Minderheit im Lande bleiben werden, muß schließlich der niedrige, für uns unmögliche „Standard: of life" des arabischen Arbeiters siegen.. Die kulturellen und politi-: sehen Bedingungen des Landes müssen sich endgültig dem Milieu' der arabischen Umgebung anpassen. Die moderne jüdische Wirtschaft in Land und. Stadt muß in ihrer Einsamkeit zusammenbrechen, national und sozial verkümmern. Nur ein großer zahlenmäßig ger Aufschwung kann die wirtschaftlichen, kulturellen und sozaaleä Bedürfnisse eines so hoch entwickelten und von der Umgebung SiO verschiedenem gesellschaftlichem Gebilde, wie der Jischuw, aufrechterhalten. Es weiß heute jeder Jude Palästinas: VerzögeriHijS* kann Untergang bedeuten. Darum hat der jüdische Arbeiter in Erez Israel sich nur als Pionier betrachtet. Der Sinn und die Rechtfertigung seines Werkel lagen in der Hoffnung nach vergrößerten Fortsetzung. ' ■ * l Da die jüdischen Arbeiter Palästinas, die sich immer verstärk kende Alijaü. als den Sinn des Aufbaus erlebt halben — haiben sie schneller als andere die inneren Gesetze der Vermehrung jüdischer Arbeiter erkannt. Aehnlieh wie das Land auf die Judenheit nicht wartet, so wartet audi die palästinensische Wirtschaft nicht auf die jüdasöhen Arbeiter. Der sich erweiternde Arbeitsmarkt kann urfcs 105

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