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Der junge Jude · 1929-11-01 · Heft 4-5 (November 1929) · page 10

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Journal
Der junge Jude
Volume
2 (1929-1930)
Issue
Heft 4-5 (November 1929)
Date
1929-11-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Elieser Liebenstein: DER KOMMENDEN STUNDE ENTGEGEN. (Referat auf der Moazah des „Hechaluz".) Der Sinn des Zionismus war und bleibt für immer jüdische Arbeit, die Vermehrung jüdischer arbeitender Menschen in Palästina* Bie politische und finanzielle Tätigkeit unserer Institutionen ist. nur ein Mittel für diesen Zweck. Deshalb trägt der Hechaluz, die Organisation, die die Aufgabe hat, neue jüdische arbeitende Menschen in das Land zu bringen, die größte zionistische Verantwortung in der Diaspora. Allerdings ist der Hechaluz dieser Aufgabe nicht gewachsen und sich seiner Verantwortung nicht bewußt. Er ist heute fast in allen Ländern eine auf wenige Kreise begrenzte und unreife Jugendbewegung mit allen Schwächen, die damit verbunden sind. Das, was der Zionismus in Palästina bis jetzt geleistet hat, war nur dank der ausseh laggebenden Bedeutung der organisierten Arbeiterschaft im Lande möglich. Die wirtschaftliche, kulturelle und politische Verwirklichung der letzten zehn Jahre im Lande hat die starke Macht der Histadruth geschaffen. Ganz anders waren die Machtverhältnisse im Zionismus außerhalb Palästinas. Die Kraft und das Verantwortungsbewußtsein des Zionismus in der Golah innerhalb der gesamt-zionistischen Bewegung waren bis jetzt wesentlich schwächer, als die der Arbeiterschaft im Jischuw. Diese Schwäche hatte immer sehr traurige Folgen. Sie schwächte die ökonomische und politische Position der palästinensischen Arbeiterschaft. Aber lange schien es uns, daß wir auch bei diesem Zustand weiterkommen können. Mächtige Strömungen in der Welt und im jüdischen Volke haben in den letzten Jahren die Lage von Grund auf geändert. Wenn auch weiter der arbeitende Zionismus in der Golah in seiner Kraftlosigkeit verharrt und sich nicht zu derselben Kraftentfaltung entwickelt, wie die Arbeitenschaft im Jischuw, steht die Verwirklichung des Palästinaaufbaues in höchster Gefahr. Was ist jetzt im Zionismus in einer Aenderung begriffen? — Es ist das Tempo des Palästinaaufbaues. Wenn wir nicht untergehen ^wollen, müssen wir jetzt schneller bauen, als wir es bis jetzt getan haben. Mehr Arbeiter ins Land bringen, mehr Boden erwerben, mehr Siedlungen errichten. Es scheint, daß gewisse politische und finanzielle Umstände diesem Aufschwung günstig sind. Der Punkt der Schwäche kann heute der Mangel der alijahbereiten Menschen sein. Wenn wir wirklich in diesem Punkte versagen, kann es zu einem schweren politischen und moralischen Zusammenbruch der zionistischen Bewegung führen. Für eine solche Krise würde der Hechaluz am schwersten mitverantwortlich sein. Die palästinensische Arbeiterschaft hat sich niemals mit dem langsamen Tempo des Aufbaues abgefunden. Sie sah in ihm eine Gefahr, vielleicht die größte Gefahr für den Zionismus. Viele Erkenntnisse der Arbeiterschaft haben sich geändert. Aber diese Erkenntnis bleibt ein intregaler Teil der Bewegung. Sie . steigert sich oft zu einem peinlich alarmierenden Gefühl. Dieses Gefühl der Unruhe zeichnet die palästinensische Arbeiterschaft von der zionistischen Umgebung aus. Die anderen Zioni- «ten glaubten viel Zeit zu haben. Die Chowewe-Zionisten dachten, daß das Land verlassen und fern sei — es wird geduldig auf das 304

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