Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 2 (1929-1930)
- Issue
- Heft 4-5 (November 1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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PALÄSTINA NACH DEN EREIGNISSEN. Ans den Berichten von „Dawar" bis zum 9. Oktober geht hervor, daß die Lage im Lande keineswegs ruhig ist. Das schwankende und zweideutige Verhalten der Eegierung wirkt sich furchtbar aus durci eine Korruption der arabischen öffentlichen Meinung. Die zweite abschwächende Kundgebung des Oberkommissärs, das beschämende Interview des Generalsekretärs Luke mit dem amerikanischen Korrespondenten van Paassen, das Belassen der Gouverneure von Hebron und Safed auf ihren Posten, obgleich unter ihren Augen und ihrem Schutz die Pogrome veranstaltet worden waren, sind krasse Zeugen für die menschliche und politische Haltung der Administra^- tion in einem unter der englischen Arbeiterregierung verwalteten Mandatslande. Die offene Aufhetzung der arabischen Massen in der arabischen Presse dauert ungehindert fort. Sie ist keinerlei Ausdruck oder Auseinandersetzung einer irgendwie gearteten nationalen Freiheitsbewegimg; die Presse arbeitet mit den gröbsten Unwahrheiten und Verleumdungen. Die Arbeiterorganisation versucht zu einer Uebersicht über die geschaffeine Lage und einer Zusammenfassung des Geschehenen zu gelangen. Noch sind die Ereignisse nicht abgeschlossen. Man ist sich darüber klar, daß es sich um einen gegenwärtigen und weiter andauernden Zustand handelt. Die erste Forderung, die für den Jischuw aus der Lage erwächst, ist darum die nach steter Bereitschaft der Selbstverteidigung und nach ihrer offiziellen Legalisierung durch die Administration. Diese Selbstverteidigung war es, die den Jischuw vor dem Untergang durch eine zu Mord und Raub bereite Menge gerettet bat. An 77 Punkten hat sie in den ersten Tagen den arabischen Mob in Jerusalem zurückgehalten. Von der Bereitschaft und derreinem Haltung der Selbstverteidigung wird die ruhige Lebens- und Arbeitsmöglichkeit im Lande abhängen. Sie wird sich in nicht geringem Maße auf weite arabische Kreise stützen dürfen, die diesmal die lügnerische Aufhetzung durch eine kleine Gruppe verantwortungsloser arabischer Effcndis und Würdenträger durchschaut und sich von den Ueberfällen ferngehalten, ja mitunter unter eigener Lebensgefahr ihre judischen Mitmenschen und Brüder vor dem Mob geschützt haben. Fast täglich erschienen im „Dawar-6 unter der Rubrik „Lichtpunktein der Finsternis" Berichte über solche elementar menschliche Haltung von Arabern. Im Zusammenhang damit soll der schönen Haltung einer Eeihe von englischen Zivilbeamten gedacht werden. Es gab unter den englischen Beamten solche, die sich bedingungslos und mit Hingabe in den Dienst der Verteidigung der angegriffenen jüdischen Stadtteile in Jerusalem stellten und Tag und Nacht mit der jüdischen Selbstverteidigung zusammenarbeiteten. Als von Ataroth die Nachricht kam, daß die Araber die Quelle besetzt halten und für das Vieh keiii Wasser vorhanden sei, fuhr der Leiter des Departements für öffentliche Arbeiten in seinem kleinen Auto — er selbst als . Chauffeur und im Auto sein Ißjähriger Sohn mit einem schußbereiten Gewehr — in die Siedlung und brachte ihnen die nötige Menge Wasser. Die zweite Forderung, die aus der Lage erwächst, ist die d@r systematischen Aufklärung der arabischen öffentlxehan Meinung. Es ist allen klar, daß hier unendlich viel verj- 101