Mannheim
Compact Memory

Der junge Jude · 1929-11-01 · Heft 4-5 (November 1929) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der junge Jude
Volume
2 (1929-1930)
Issue
Heft 4-5 (November 1929)
Date
1929-11-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3497353-3497361-3497365--358-3497898
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

bedeutet Noch immer fordert der Entschluß der Uebersiedlung eine idealistische Gesinnung, die nur zionistisch erzogene Menschen aufbringen. Es genügt keineswegs, in wirtschaftlich bedrängter Lage zu sein, um schon dadurch heute zum Ohaluz prädestiniert zu sein, Ghaluziuth erfordert genau, wie früher, Einsicht in die Lage des jüdischen Volkes, Willen zur Erneuerung des eigenen Lebens und des Lebens der Gemeinschaft, Opferbereitschaft, um das eigene Leben in den Gesamtznsammenhang einzuordnen. : Man verkennt die Situation, wenn man glaubt, daß die Notwendigkeit des Augenblicks diese Chaluztugenden erzeugt. Der Situation können immer nur diejenigen antworten, die durch vorhergehende Erlebnisse für die Begegnung vorbereitet sind. Wir dürfen nie vergessen, daß der Anspruch Palästinas den in Europa lebenden Menschen niemals als ausschließlicher Anspruch erreicht, daß erst eine Hinwendung zu dem Leben des Landes notwendig ist, um von ihm angesprochen werden zu können. Diese Hinwendung ist das Ergebnis einer äußeren und einer inneren Wirkung. Sie setzt eine Berührung mit dem Arbeiterleben in Erez Israel voraus, der aber noch vorher ein Wiederfinden des Jüdischen in sieh selbst vorausgehen muß. Dieses Wiederfinden geschieht bei uns im Westen immer nur als Ergebnis einer langen und liebevollen Beschäftigung mit jüdischem Leben und jüdischem Gute in der Vergangenheit und in der Gegenwart. Der Keim des Jüdischen, der in den meisten von uns nur noch ganz schwach und verkümmert vorhanden ist, muß sorgfältig und mit Innerlichkeit zur Entfaltung gebracht werden. Nur wer jüdisch sicher geworden ist. vermag all den Anfechtungen zu widerstehen, die heute den jungen Chaluz von allen Seiten her bedrängen. Unsere Chawerim in Palästina müssen das, trotz der Not des Augenblicks, verstehen. Wir brauchen auch heute noch in Palästina Chaluzim, d. h. Pioniere, die dem breiten Heereszuge des jüdischen Volkes vorangehen können. Wir denken dabei nicht daran, daß nach Palästina nur völlig erzogene Menschen gehen dürfen. Wir wissen heute, in welch starkem Maße Erez Israel erzieht. Es dürfen aber nur Bereite nach Erez Israel gehen. Diese Bereitschaft ist Ergebnis eines inneren Prozesses. Noch eines dürfen unsere Chawerim in Palästina nicht vergessen: Unsere Bewegung auch hier reißt ab, wenn die lebendigen Träger geschlossen ins Land gehen. Es treten immer nur dann neue Menschen in den Kreis der palästinanahen Jugend, wenn deren Leben auch hier eine starke menschliche und gesellschaftliche Anziehungskraft besitzt. Wir dürfen nie vergessen: die Uebersiedlung nach Palästina bedeutet nicht ein Einrücken in eine Armee zu einem einmaligen Kampfe, sondern Einordnung in eine, das ganze Leben in allen seinen Bezirken und in seiner ganzen Ausdehnung erfassenden Zusammenhang. Abitur Obersekunda Vormittag-, Abendkurse, auch Mädchen und Erwachsene. D»r. Danzisrer, Berlin, Alte Jakobstraße 124, Donh. 5115. 100

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.