Mannheim
Compact Memory

Der junge Jude · 1929-11-01 · Heft 4-5 (November 1929) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der junge Jude
Volume
2 (1929-1930)
Issue
Heft 4-5 (November 1929)
Date
1929-11-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3497353-3497361-3497365--357-3497897
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

ßellsdhaftsform stellen: dem »ionistisehen Sozialisten fehlt diese Möglichkeit. Er ist mit dem bürgerlichen Zionisten in Deutschland nicht .an eine gemeinsame Wirtschaft gebunden, in der sie sich, als Klassengegner gegenüberstehen. Er hat kein Parlament Er ist überhaupt nicht durch ein eigenes wirtschaftliches Interesse dem bürgerlichen Zionisten in Deutschland entgegengesetzt Daher geht der Kampf immer nur um die Gestaltung der Lebensformen in Palästina, allerhöehstens noch um die Verteilung des Etats der Organisation. Gerade diese Einsieht zwingt zu dem Schluß, daß der Meinungskampf dort ausgetragen werden muß, wo sich Meinung und Gegenmeinung gegenüberstehen: innerhalb der zionistischen Organisation. Hinzu kommt noch, daß die wichtigste Aufgabe des sozialistischen Zionismus, die Werbung von Nichtzionisten für den Palästinaaufbau nur geschehen kann, wenn ein großer und starker Kepräsentant des zionistischen Gedankens vorhanden ist. Es ist weniger wichtig, daß man sich mit allen Meinungen des Repräsentanten der zionistischen Idee identifizieren kann, als daß man neu gewonnenen Menschen überhaupt eine Anschauung von den lebendigen Trägern der Idee gibt. Es ist für neu zu gewinnende Menschen reizvoller, sofort eine sozialistische Aufgabe zu übernehmen, als nur in einen relativ kleinen Kreis hineinzukommen, dem starke politische Aktivität eben wegen seiner Abgeschlossenheit und wegen seiner geringen Größe fehlt. Die Zusammenfassung der Kräfte, die keineswegs die „nationale Einheitsfront" darstellen, sondern nur eine fruchtbare Auswirkung auch der gegen einander stehenden Kräfte ermöglichen soll, ist besonders wichtig mit Rücksicht auf die unabweisliche Forderung der Vergrößerung und Intensivierung der Aufbaubewegung. Elieser Liebenstein führt an anderer Stelle aus, in welch großen Umfange Möglichkeit und Notwendigkeit der Erweiterung und Beschleunigung des Palästinaaufbaus gegeben sind. Mit Eecht wird die Schaffung der Jewish Agency gerade deshalb begrüßt, weil durch sie die wirtschaftliche Grundlage zur Vergrößerung der Arbeit gegeben werden soll. Die „Tempofrage" wird so zur Schicksalsfrage unserer Bewegung, nicht weil wir den Arabern zuvorkommen müßten in der Besetzung x\Tirtschaftlioher Positionen, sondern deshalb, weil nur ein großer Jischuw im Lande imstande ist, die wirtschaftliche und kulturelle Not des jüdischen Volkes auch nur teilweise zu lösen. Deshalb ruft gerade jetzt die Arbeiterschaft so stark nach einer Vermehrung der Alija, nach einer Vergrößerung der An- Medlungsmögliehkeiten. Palästina ist in wohlmeinender Absicht von Mac Donald als ein „Laboratorium des Sozialismus" bezeichnet worden. Diese Aufgabe mag Erez Israel für die Welt haben. Für das jüdische Volk darf das Aufbauwerk nichts vom Charakter des Versuchs haben. Wir laufen Gefahr, eine vorbildliche Idylle au werden, wenn nicht unmittelbar durch das Land eine Antwort auf die Not unseres Volkes gegeben wird, die Herzl mit Eecht als den „Dampf, der den Kessel treibt", bezeichnet hat. Die Vergrößerung der Einwanderung ist aber nicht nur ein wirtschaftliches Problem, sie ist in noch viel stärkerem Maße gerade jetzt eine menschliche Frage. Wir befinden uns noch immer in dem Stadium, in dem die Uebersiedlung nach Palästina keineswegs ©ine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage des TJebersiedelndeiJ 99

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.