Mannheim
Compact Memory

Der junge Jude · 1929-06-01 · Heft 2 (Juni 1929) · page 23

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der junge Jude
Volume
2 (1929-1930)
Issue
Heft 2 (Juni 1929)
Date
1929-06-01
Page
– (sequence 23)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3497353-3497361-3497363--297-3497873
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

liehe Bildung und zieht nach Moskau, wo er sich durchhungert. Er beginnt mit seiner journalistischen Tätigkeit, macht Touren nach dem Inneren Kußlands, um „Chibbath Zion" unter den dortigen Juden zu propagieren, wird Bäcker, um sich und seine Familie ernähren zu können, widmet sich zugleich der Literatur als hebräischer Schriftsteller, der seine Werke in der jüdisch weniger gebildeten Ukraine „verteilt". Und auf allen diesen Wanderungen lernt er die Formen und Arten der Armut und des Leidens kennen und führt so als erster den sozialen Roman in die hebräische Literatur ein. Er führt Klage über „die Kollektivschuld" der Rim Schatten des Geldes" Lebenden. in. Als Vierunddreißigjähriger wird er hebräischer Lehrer in Poltawa, Es war eine kleine, ruhige uktainische Stadt, die deswegen von der russischen Regierung für politische Verbannte ausgesucht wurde. Poltawa wurde dadurch zum Zentrum der revolutionären russischen Intelligenz. Auch Rabinowitz entzieht sich ihrem ideellen Einfluß nicht : ihren Sozialismus findet er durch seine Lebenserfahrung bestätigt. Der Sozialsmus löst bei ihm seine Zionsliebe und Treue zur religiösen Überlieferung nicht ab, sondern vereinigt sich zu einer eigenartigen fruchtbaren Harmonie. Der alte Rabinowitz in Erez Israel Ein sonderbarer Kauz muß derjenige sein, der auch nur einmal Rabinowitz in seinem Hause aufsuchte und ihn dabei nicht am Tische schreibend vorgefunden hätte : er muß dann wohl seinen Besuch nach Mitternacht gemacht haben: Eines Tages brachte ein Kind ein Manuskript in die Redaktion Sollte Rabinowitz einen Boten schicken? Wir waren daran nicht gewöhnt. Aber die dichtgedrängten Zeilen hörten in der Mitte des Bogens auf, und es folgte eine Kinderhandschrift. Der Großvater ist augenkrank — erläuterte der Bote Dieser Ubergang war sonderbar und trotzdem zog ein warmes Gefühl durch das Herz; Alter und Jagend trafen einander. Am Ende einer Sitzung der Assefath Haniwicharim (Delegiertenversammlung der palästinensischen Judenheit) über:nannte den Alten in einer späten Mitternachtsstunde bei einer entscheidenden Abstimmung für eine Weile der Schlummer. Der Beisitzer, der die Stimmen zählte, wußte nicht recht, was er tun solle Der Vorsitzende aber fragte laut: für wen stimmen Sie? nMit den Chawerim" kam ohne Zögern die Antwort des Greises. S. David. ZU DEN In wenigen Wochen finden die Wahlen zum 16. Zionistenkongress statt, Die Bedeutung des Kongresses und damit der Wahlen liegt im wesentlichen in zwei Tatsachen: Der Kongress wird über die ertgültige Form der erweiterten Jewish Agency und über das neue Kolonisationsprogramm beschliessen. Das Wahlrecht zum Kongress ist an den Besitz des Schekels gebunden. Jeder Jude, der einen Scbekel gekauft hat, darf wählen. Die Anzahl der verkauften Schekel ist für die nichtzionistische Aussenwelt der Gradmesser der Stärke unserer Bewegung. Hieraus folgt für jeden Zionisten die Verpflichtung zum WAHLEN Kauf des Schekels. Der Kreis der zionistisch-sozialistischen Jugend, der Kreis der Freunde des arbeitenden Palästina wird durch die Wahl das Schicksal der zionistischen Bewegung für die nächsten zwei Jahre und darüber hinaus bestimmen. Es geht um die Frage, ob die Arbeiterschaft Palästinas, die die stärkste und hingebungbvollste Verwirklicherin des Aufbauwerkes ist, von der Leitung dieses Werkes, von der zionistischen Exekutive weiter ausgeschlossen bleiben soll. Jüdische Sozialisten, wählt zum 16. Kongress die Vertreter des arbeitenden Palästina! 51

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.