Mannheim
Compact Memory

Der junge Jude · 1929-06-01 · Heft 2 (Juni 1929) · page 22

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der junge Jude
Volume
2 (1929-1930)
Issue
Heft 2 (Juni 1929)
Date
1929-06-01
Page
– (sequence 22)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3497353-3497361-3497363--296-3497872
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

UMSCHAU Alexander Süßkind Rabinowitz (zu seinem 75. Geburtstag). Am 4. Februar 1929 wurde der hebräische Schriftsteller Alexander Süßkind Rabinowitz 75 Jahre alt. Er ist das älteste Mitglied der Histadruth. In ehrfurchtsvoller Dankbarkeit und aufrichtiger Liebe feiert die hebräische Literatur und die palästinensische Arbeiterschaft diesen noch jugendfrischen und schaffensfrohen Mann. Im folgenden bringen wir einige Beiträge zur Charakteristik von Rabinowitz. Aus ihnen erkennt man auch die Empfindungen der Arbeiterschaft für den Jubilar. Die Beiträge sind der literarischen Jubiläumsbeilage des „Dawar" entnommen. jjie Schriftleitung. Der Großvater. Er ist in einem kleinen Städtchen geboren, das die Wiege des „chabadischen" Chassidismus war. Dort verbrachte er die Tage seiner Jugend; in frühester Kindheit schöpfte er aus dieser volkstümlich - chassidischen Atmosphäre, die vom Lebensoptimismus und Zuversicht durchtränkt war. Diese guten Engel begleiteten ihn auch später auf seinem schweren Lebensweg, sie brachten ihn auch zu den Arbeitenden, deren älterer Freund und mitleidender Bruder er wurde. Sein reger und richtiger Instinkt sagte ihm, daß „hier die Werkstatt der Volksseele" ist, und er wurde einer der wenigen aus der Mitte der hebräischen Schriftsteller, die spürten, daß sie „ Fleisch vom Fleisch* der Werktätigen sind — zusammen mit A. D. Gordon und J. Ch. Brenner. Und er selbst wurde zum Symbol der „ ehrlichen reinen Arbeit", von der er sein Leben lang spricht« Denn der greise Schriftsteller wird nicht müde und läßt die Feder nicht sinken : in bescheidener Stille setzt er seine Arbeit fort. Es ist ein schönes Gefühl für uns zu wissen, daß dort in der jüdischen Stadt ein lieber Alter in unserer Mitte wandelt mit ruhig zartem Lächeln, der der Histadruth treu ergeben ist, mit bangem Herzen alle ihre Schritte verfolgt, an ihren Leiden und Freuden teilnimmt und von Zeit zu Zeit seine Gedanken, Zweifel und Trostworte mit Zagen ausspricht und ihr von Mal zu Mal seine ermunternden Segenswünsche sendet. (Nachum Isch-Gamso, Tel Adaschim) Von Ladi bis Poltawa. I. Ladi, der Geburtsort von Rabinowitz, liegt an der Grenz8 zwischen dem ehemaligen Ansiedlungsrayon und dem übrigen Rußland. Das Städtchen hatte eine alte Tradition aus der Zeit, als es noch Hauptstadt des chabadischen Ohassidismus war. Die jüdische idealistische Jugend zog es entweder zu dieser „nahen Vergangenheit", zur Glanzzeit des reiigiös-chassidischen Sturmes und Dranges oder zum „Jenseits des Flusses", der die Grenze nach dem übrigen Rußland zu bildete. Die Geschichte der Haskala kennt so manche Fälle, in denen gerade in diesen Grenzstädten synthetische Naturen aufwuchsen, die in sich die Verbindung mit „Gestern" und den Ubergang zum „Morgen" vereinigten. Auch in der literarischen Tätigkeit von Rabinowitz verschmolzen beide Elemente: „ Zur Geschichte der Familie Schneersohn" (des Begründers des chabadischen Chassidismus) und die „Erinnerungen von Gerschunia (des Sozialrevolutionärs) sind von Rabinowitz ins Hebräische übersetzt. II. Lang war der Wanderweg von Rabinowitz und bunt sein Lebensschicksal: der naiv-ehrliche Sohn des armen und frommen jüdischen Trödlers wird ein von der Haskala angehauchter gelehrter Talmudjünger und Schwiegersohn eines extremen Ohassid. Halb befaßt er sich mit Handel, zur anderen Hälfte erteilt er hebräischen Unterricht, wandert durch jüdische Städtchen und kleine Siedlungen, sucht weit- 50

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.